Wie reagieren die Preise?

Mit einer Erhöhung der Tabaksteuer ab 1. März setzt die neue Regierung das erste sichtbare Zeichen auf dem Branchensektor. Wie die Zigarettenpreise darauf reagieren und ob das für eine Konsolidierung nötige, längerfristige Maßnahmenpaket, auf das sich alle Beteiligten im Vorfeld geeinigt hatten, umgesetzt wird, steht vorerst noch in den Sternen.
Mit Spannung hatte die gesamte Tabakbranche auf die ersten Aktivitäten der neuen Bundesregierung im Zusammenhang mit der vorgeschlagenen Neuregelung der Steuerpolitik gewartet. Jetzt ist dieses erste Zeichen da – und es wirft einige Fragen auf. Fest steht: Die Tabaksteuer wird mit 1. März dieses Jahres erhöht. Im – zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Ausgabe von Filterlos noch nicht hundertprozentig abgesegneten – Vorschlag war eine Anhebung des festen Steuersatzes um fünf Euro pro 1.000 Zigaretten bei gleichzeitiger Senkung des preisorientierten valorischen Steuersatzes von einem Prozent angekündigt worden. Das entspreche insgesamt einer Steuererhöhung von rund drei Euro pro 1.000 Zigaretten, rechnete der Bundesgremialobmann der österreichischen Tabaktrafikanten, Peter Trinkl, im Gespräch mit Filterlos vor. „Das ist etwas mehr, als es unser Stufenplan für die kommenden fünf Jahre im ersten Schritt vorgesehen hätte. Und als Einzelmaßnahme kann das hoffentlich auch nicht so stehen bleiben, denn von allen anderen Punkten, die wir in einem ausführlichen gemeinsamen Vorschlag der gesamten Branche zusammengefasst haben, ist derzeit noch keine Rede. Dieses Gesamtpaket wäre aber für die Konsolidierung der Trafikanten und der gesamten Tabakbranche wichtig!“
„Rasche Anpassung der Zigarettenpreise ist notwendig!“
Angesichts der Solitärmaßnahme einer Steuererhöhung sei es jetzt wieder einmal Sache der Industrie, wie sie ihre Preise gestaltet. Da hält Trinkl eine rasche Anpassung der Preise an das gestiegene Steueraufkommen für notwendig, damit nicht erneut die Trafikanten über sinkende Handelsspannen zum Handkuss kommen: „Wenn Tabakkonzerne bei der Weitergabe dieser Steuererhöhung an die Konsumenten bremsen, schaden sie damit direkt den Trafikanten!“ Pikanterie am Rande: Derzeit läuft gerade wieder die traditionelle Packungsstudie, die durch Proben in Abfallsammelbehältern den Anteil der in Österreich gerauchten, aber nicht hierzulande versteuerten Zigaretten bestimmt und damit einen Hinweis darauf gibt, welchen Schaden der Schmuggel von Tabakwaren anrichtet. Der Bundesgremialobmann weiß aber: „Ein Preisverfall schadet unserem Beruf mehr als der Schmuggel!“ Freilich sei jetzt auch einmal genau zu beobachten, wie die Konsumenten auf eine entsprechende Erhöhung von Zigarettenpreisen reagieren würden, umso mehr, als die seitens der Regierung für 1. März geplante Anhebung der Tabaksteuer höher ausgefallen ist als erwartet und im Branchenvorschlag vorgesehen. Große Hoffnung der Trafikanten für den erwünschten Fall einer Anpassung der Zigarettenpreise an die höhere Steuer: Durch die Diskussionen im Vorfeld waren die Raucher auf eine Preissteigerung vorbereitet gewesen.
Umsetzung des Gesamtpakets erhofft
Für eine wirklich nachhaltige Konsolidierung des Tabakmarktes wäre aber wohl eine weitgehende Umsetzung jener Pläne notwendig, auf die sich Vertreter der Industrie, des Großhandels und der Trafikanten nach monatelangen Verhandlungen Ende des Vorjahres geeinigt hatten ( Filterlos hatte ausführlich berichtet): Das umfangreiche Maßnahmenpaket brächte den Trafikanten eine fairere Handelsspanne in absehbarer Zeit und dem Finanzminister immerhin Mehreinnahmen von rund einer Milliarde Euro im Verlauf der angelaufenen fünfjährigen Legislaturperiode. Im Finanzministerium war das Modell während der laufenden Regierungsverhandlungen im Spätherbst den Beamten präsentiert und von ihnen positiv beurteilt worden. Jetzt hofft die gesamte Branche, dass sich auch die politischen Verantwortungsträger dieser Meinung ihrer sachkundigen Berater anschließen werden. Der nach langen Verhandlungen innerhalb der Tabakbranche ausgetüftelte Vorschlag für die künftige Gestaltung der Tabaksteuer sieht eine schrittweise Reduzierung des valorischen Steuersatzes, der sich auf Basis des jeweiligen Verkaufspreises errechnet, von derzeit 42 Prozent in fünf Jahresschritten um jeweils 1,5 Prozent auf 34,5 Prozent im Jahr 2018 vor. Im Gegenzug soll der feste Steuersatz, der sich ausschließlich auf die verkaufte Stückzahl von Zigaretten bezieht, pro Jahr um drei Euro pro 1.000 Stück erhöht werden. Diese Verschiebung der beiden Steuerbestandteile würde den Trafikanten mehr Fairness für ihre Handelsspannen bringen, weil man weniger abhängig von der Preisgestaltung seitens der Industrie wäre, die ihre Kämpfe um Marktanteile in den vergangenen Jahren ja bevorzugt über den Preis und somit auf Kosten der Margen ausgetragen hatte. Fernziel des Vorschlags für die „Steuer neu“ ist es, die gesamte Tabaksteuerbelastung auf jene 57 Prozent zu senken, die von der Europäischen Union als Mindestziel angegeben werden. Zurzeit beträgt die Tabaksteuerbelastung in Österreich rund 59 Prozent. Mit eingerechnet ist in dem gemeinsamen Vorschlag der Tabakbranche auch eine jährliche Preissteigerung von 20 Cent pro Packung Zigaretten. Das ist jener Betrag, den die Raucher laut langjähriger Erfahrungswerte hinzunehmen bereit sind. Jetzt hofft Trinkl auf baldige Signale aus der Regierung, dass man das Gesamtpaket politisch umsetzen wolle: „Es wäre einfach für alle Beteiligten gescheit, langfristige Ziele im Auge zu haben und dementsprechende Maßnahmen mit Weitblick einzuleiten. Stückwerk oder nur ein kurzfristiges Drehen an der Steuerschraube allein schadet allen Beteiligten mehr, als es hilft!“