Verpasste Chance!

Nach dem – lange angekündigten – Anstieg der Tabaksteuer sind die meisten Tabakprodukte teurer geworden. Aber die Preiserhöhung von weitgehend 20 Cent pro Schachtel wird von den Trafikanten und ihrer Berufsvertretung bei Weitem nicht mit ungeteiltem Jubel aufgenommen – ganz im Gegenteil: Auch laut Bundesgremialobmann Peter Trinkl hat man eine Chance vergeben, den Trafikanten durch eine entsprechende Erhöhung der Handelsspanne einen echten Nutzen in die Hand beziehungsweise ins Geldbörsel zu geben.

Was lange währt, wird endlich gut – wenn sich dieses bekannte und gern verwendete Sprichwort auch im Zusammenhang mit der jüngsten Erhöhung der Tabaksteuer und den vor wenigen Wochen erfolgten Preisanpassungen für Tabakprodukte erfüllen soll, dann heißt es wohl noch einige Zeit lang „Bitte warten“. Denn die Begeisterung über das Ausmaß des erfolgten Preissprungs hält sich in den Trafikantenkreisen zwischen Bodensee und Neusiedler See in engen Grenzen, weiß auch Bundesgremialobmann Peter Trinkl: „Das veränderte Tabaksteuersystem hätte nur dann einen echten Nutzen für die Trafikanten, wenn die Preise um mehr als 20 Cent pro Packung stiegen. Natürlich ist der Einwand aus den Grenzregionen berechtigt, dass bei einer höheren Anpassung auch der legale und illegale Import von Zigaretten aus dem benachbarten Ausland steigt und damit verbunden in diesen Gebieten die Umsätze weiter sinken. Aber gerade deshalb war es für mich einfach nicht verständlich, warum nicht schon früher die Preise in einem ersten Schritt angepasst wurden. Schließlich waren die Konsumenten sozusagen seelisch bereits auf eine Preiserhöhung vorbereitet gewesen, weil ja alle österreichischen Medien schon seit dem Dezember des Vorjahres von diesem bevorstehenden Schritt berichtet hatten.“ Unter diesen Voraussetzungen hätte man laut Einschätzung des Bundesgremialobmanns bereits vorab eine Erhöhung der Packungspreise beispielsweise um zehn Cent durchführen können – mit positiven Folgen für die gesamte Branche: „So hätten alle, wirklich alle, vom Staat über die Industrie bis hin zu den Trafikanten, durch den Vorlauf auf die Steuererhöhung gewonnen!“
Die Handelsspanne hinkt deutlich nach

Dass für die Trafikanten nach der Preissteigerung der geringste Anteil am größeren Kuchen übrig geblieben ist, stößt Trinkl besonders sauer auf: „Die Anpassung der Handelsspannen für unsere Branche erfolgte nicht einmal in Relation zur Preiserhöhung. Natürlich wird jetzt wieder mit der Tatsache dagegen argumentiert, dass je Packung rund 1,5 Cent mehr beim Trafikanten bleiben, aber der Preis wurde im Schnitt immerhin um rund 4,5 Prozent erhöht. Und es wurde ja auch bei Weitem nicht bei jeder einzelnen Zigarettensorte der Verkaufspreis voll angepasst. Einige wurden unter dem Wert erhöht, bei anderen spielte man mit den Packungsgrößen!“ Unterschiedlich fielen die Erhöhungen auch bei den Feinschnitten aus.
Aufgedruckte Preise als neues Ärgernis

Und wenn man schon beim Aufzählen von neuen Scherereien ist: Auch die Probleme mit aufgedruckten Preisen auf den Zigarettenpackungen erregen in der Branche viel Unmut – lesen Sie dazu bitte auch die Lesermeinung des Wieners Matthias Peter auf Seite 5 dieser Ausgabe von Filterlos. Trinkls Haltung dazu ist unmissverständlich: „Eigentlich müsste die Industrie diese Packungen zurücknehmen oder zumindest Aufkleber zur Verfügung stellen. Es ist ein Unding, in einem System, in dem die Preisbindung durch Veröffentlichung vorgeschrieben ist, mit Preisaufdrucken zu werben!“ Der Wert der Zigarette werde durch die Aufmachung der Packung und das Image des Namens dargestellt. Laut Marktforschungen wollten die Raucher oder zumindest ein erheblicher Teil davon dieses Prestige. Trinkl: „Dann aber indirekt den Spruch ,Geiz ist geil‘ via Preisaufdruck darzustellen, ist in meinen Augen geradezu kontraproduktiv!“ Auch billige oder zumindest günstigere Produkte in den Fachgeschäften anzubieten, ist für den Bundesgremialobmann wichtig und richtig. Aber: „Wir sind nicht einer der zahlreichen Billigläden. Bei uns soll der interessierte Kunde, der auf Image und Prestige Wert legt, im Vordergrund stehen. Wir wollen und müssen hochwertige Produkte verkaufen, solche Produkte, mit denen wir auch etwas verdienen können!“

Appell an die Industrie: „Mehr Mut bei Preisgestaltung“

Zum Abschluss seiner Bewertung der aktuellen Entwicklungen auf dem Tabakwarensektor richtete Trinkl noch einen flammenden Appell an die Vertreter der Industrie: „Habt bitte mehr Mut bei der Preisgestaltung, schenkt der öffentlichen Meinung mehr Gehör – und entwickelt bitte auch ein besseres Timing bei der Umsetzung eurer Maßnahmen!“ Schließlich habe man in den vergangenen paar Jahren jeweils 30 Millionen Euro verloren, weil die große Angst regiert habe – einerseits vor dem Schmuggel, andererseits aber auch besonders vor den Mitbewerbern auf dem Tabakmarkt. „Diese 30 Millionen Euro sind viel Geld – viel Geld, das uns Trafikanten fehlt und viele von uns an den Rand der Existenzfähigkeit gebracht hat. Es ist höchst an der Zeit, durch die richtigen Maßnahmen zur richtigen Zeit davon wieder etwas aufzuholen!“