Weitere Verhandlungen sollen als „Chefsache“ Durchbruch bringen
Mit der Behauptung, zwischen Trafikanten und Österreichischen Lotterien habe zuletzt in der Auseinandersetzung um die flutartige Ausweitung des Lottoannahmestellennetzes im gesamten Bundesgebiet dicke Luft geherrscht, hätte man sehr wohlwollend formuliert. Jetzt gibt es aber wieder ernsthafte Gespräche – auf höchster Ebene: Lotterien-Generaldirektor Karl Stoss höchstpersönlich will sich mit Trafikanten-Gremialobmann Peter Trinkl um Härtefälle und die Lesart diverser Statistiken kümmern. Auch neue Konzepte sind in Ausarbeitung.

Wenn es überhaupt noch eines schlagkräftigen Beweises bedurft hätte, wie angespannt das Gesprächsverhältnis zwischen den Vertretern der rotweiß- roten Trafikantenschaft und den Österreichischen Lotterien zuletzt war, dann hätte ihn das schier endlose Tauziehen um einen simplen Gesprächstermin endgültig erbracht: Monatelang war nicht einmal ein Terminvorschlag bei den Trafikanten eingetrudelt, und als es – bezeichnenderweise just für den 1. April – so weit war, hielt selbst dieser nicht lange. Daher waren die Erwartungen in die schließlich für Mitte April fixierten Verhandlungen nicht übertrieben groß gewesen.

Nach den Gesprächen, die Trafikanten-Bundesgremialobmann Peter Trinkl, die Tiroler Landesgremialobfrau Angelika Riccabona – sie war erst vor Kurzem ins Trafikanten- Verhandlungsteam geholt worden und hatte sich selbst als Beitrag zur Wiederherstellung eines konstruktiven Gesprächsklimas zwischen beiden Seiten gesehen –, der Trafikanten-Bundesgeschäftsführer in der österreichischen Wirtschaftskammer Otmar Körner und der Niederösterreicher Josef Prirschl mit einer Delegation der Österreichischen Lotterien geführt hatten, machte sich jedoch seit Langem wieder vorsichtiger Optimismus breit. Schließlich soll erstmals nicht nur über die Vorschläge der Lotterien, die aus den Trafiken „Premium-Annahmestellen“ machen wollen, geredet werden, sondern auch über Hilfe für Härtefälle unter jenen Trafikanten, deren Umsätze seit der Installierung der neuen Konkurrenz besonders tief in den Keller gerasselt waren. Überhaupt sollen das Zahlenmaterial und dessen Interpretationen vor weiteren Verhandlungen von höchster Stelle überprüft werden: Kein Geringerer als der Generaldirektor der Casinos Austria und der Österreichischen Lotterien, Karl Stoss, will sich im „Gipfelgespräch“ mit Trafikanten-Bundesgremialobmann Peter Trinkl um diese Themenfelder kümmern, und das so schnell wie möglich.
Abrücken von der bisher einseitigen Betrachtungsweise

Bisher hatten die Lotterien durch ihre eindimensionale Betrachtung der Auswirkungen der flutartigen Ausweitung von Annahmestellen in ganz Österreich bei den Trafikanten vielfach für Zornesröte gesorgt. In einer offiziellen Stellungnahme war die Rede davon gewesen, dass die insgesamt mehr als 1.600 neuen Annahmestellen, vor allem in Tankstellen, Postämtern und Supermärkten, nur geringfügige Rückgänge der Lottoumsätze in den Trafiken bewirkt hätten. Bei einer Betrachtung der Kalenderwochen 28 bis 47 des Vorjahres im Vergleich zum Jahr 2012, als es zum Roll-out gekommen war, und der Bereinigung um die generell um 4,39 Prozent rückläufige Umsatzentwicklung, die durch die wirtschaftliche Lage im Land und weniger Jackpots entstanden sei, habe sich für Trafikanten ein

Nettorückgang von nur 1,18 Prozent ergeben, hatte die Rechnung der Lotterien gelautet. Erhebungen der Landesgremien, die in Einzelfällen sogar Abstürze der Lotterienumsätze in Trafiken von bis zu 30 Prozent ergeben hatten, waren als „überzogen“ abgetan worden. Aber jetzt ist alles anders, freut sich Trinkl über ermutigende Zeichen aus der Zentrale der Lotterien: „Generaldirektor Stoss hat mir versprochen, nicht nur so bald wie möglich über Härtefälle unter den Trafikanten und entsprechende Hilfestellungen für die Betroffenen zu reden, sondern auch, das vorhandene Zahlenmaterial durchzugehen. Man kann ein und dieselben Zahlen nämlich durchaus unterschiedlich lesen und interpretieren, der Generaldirektor wird sich wie ich nochmals alles anschauen, und dann reden wir darüber!“

Neues Service und neue Produkte in den Trafiken bereits ab Juni?

Bewegung brachte die Gesprächsrunde aber auch in die Frage der geplanten Aufwertung der Tabakspezialgeschäfte zu „Premium-Annahmestellen“ für die Produkte der Österreichischen Lotterien. Hier soll nicht nur bei der Ausstattung der Trafiken mit entsprechenden Displays und Werbematerialien ein Qualitätsschub erreicht werden, sondern auch bei der Ausbildung der Trafikanten und ihrer Angestellten. Spezielle fachspezifische Schulungen über Lotterieprodukte, aber auch für allgemeine Verkaufssteigerungen sind angedacht. Und schließlich will man auch ein neues Thema aufgreifen, das eine attraktive Erweiterung des Lotterienangebots in den Trafiken bringen könnte: den Sektor von sogenannten „Team-Scheinen“. Das sind Lotto- oder Toto-Spielergemeinschaften, von denen ein Interessent beispielsweise in der Trafik einen gewissen Anteil kaufen und somit seine Chancen auf einen Treffer entsprechend erhöhen kann. Zu diesem Thema soll ein Vorschlag ausgearbeitet werden, der auch die Frage umfasst, ob etwa ein Trafikant selbst ein Team zusammenstellen kann. Praktikable Lösungsansätze könnte es bereits bis Juni dieses Jahres geben. www.filterlos.at/news/blick/details/article/trafikanten-enttaeuscht-lotterien-wollen-nicht-kooperieren/