„Jetzt muss Politik rasch handeln“

Nachdem die Abwärts-Preisspirale auf dem Zigarettensektor mittlerweile alle vier großen Anbieter erfasst hat, geht Trafikanten-Bundesgremialobmann Peter Trinkl in die Offensive: Er fordert rasche politische Lösungen für eine Sicherung der Handelsspanne, damit die Trafikanten nicht länger die Leidtragenden des neuerlich aufgeflammten Preiskriegs der Tabakindustrie im Kampf um Marktanteile bleiben müssen. Entsprechende gesetzliche Regelungen zur Handelsspanne sollen die Trafikanten unabhängiger von Preisänderungen machen.
Was nach der Preissenkung des Großteils der Gauloises-Familie durch Imperial Tobacco vor wenigen Wochen innerhalb der Trafikantenschaft allgemein befürchtet worden war, ist mittlerweile eingetreten wie das sprichwörtliche Amen im Gebet: Alle vier großen Tabakkonzerne haben in der Zwischenzeit Produkte in ihrem Portfolio, mit denen im Niedrigpreissegment nach Marktanteilen gefischt werden soll. Dass sich bei den österreichischen Trafikanten die Freude damit in engsten Grenzen hält, ist wohl nur allzu verständlich – schließlich bedeutet der Ausbau des Tiefpreisbereichs direkt einen Verlust an Einnahmen aus der Handelsspanne. Jetzt reicht es dem Bundesgremialobmann der Tabaktrafikanten, Peter Trinkl: Er fordert politische Lösungen, die sicherstellen sollen, dass die Trafikanteneinkünfte weitgehend unabhängig von den Preisspielchen der Industriekonzerne werden. Und diese Lösungen müssten so schnell wie möglich umgesetzt werden, macht der Gremialobmann den Veranwortlichen aus den Reihen der Politik zeitlichen Druck.
Von Gauloises über Lucky Strike bis Marlboro und Memphis
Dabei hatte es noch vor wenigen Wochen so ausgesehen, als würde die neuerliche Anhebung der Tabaksteuer die Zigarettenhersteller einhellig zur fälligen Erhöhung ihrer Preise bewegen. Doch die Eintracht war nur von kurzer Dauer: Was mit einer Preisanpassung von meist 20 Cent pro Packung begonnen hatte, entwickelte sich rasch wieder zum altbekannten Spielchen „Darf’s ein bisschen weniger sein?“. Imperial Tobacco senkte den Packungspreis für die Gauloises-Familie weitgehend um gleich 40 Cent pro Schachtel, nachdem man vorher der Steuererhöhung bloß mit einem Plus von 20 Cent Tribut gezollt hatte. Dass da die übrigen Mitbewerber nicht zurückbleiben würden, war seitens der Trafikanten bereits damals befürchtet worden – und das völlig zu Recht, wie sich bald herausstellen sollte. Beispiele aus der Preisspirale nach unten gefällig? Bitte schön, da hätten wir im Sonderangebot: aus dem Hause British American Tobacco (BAT) die Lucky Strike, pro Schachtel mittlerweile um 30 Cent billiger als noch vor kurzer Zeit. Von Japan Tobacco International (JTI) wurden zum Beispiel die Camel Natural um 20 Cent und Randgruppen der Memphis-Familie jeweils um zehn Cent preisgünstiger als noch vor wenigen Wochen. Und der österreichische Marktführer Philip Morris senkte zwar keinen bestehenden Preis, schickte dafür jedoch überhaupt ein neues Produkt in die (Preis-)Schlacht, das natürlich niedriger im Preis angesetzt wurde als die bestehenden Angebote: Es handelte sich um die Marlboro Flip Top Soft, deren Verkaufspreis um 20 Cent unter jenem der vorher auf dem Markt befindlichen Marlboro Softpack angesiedelt wurde.
„Trafikanten müssen die Hälfte der Steuererhöhung berappen!“
Dass diese Preispolitik direkte Schneisen in die Einnahmen der Trafikantenschaft schlägt, ärgert Bundesgremialobmann Peter Trinkl wieder einmal maßlos: „Das ist wirklich alarmierend, denn die Trafikanten müssen in der Praxis rund die Hälfte der vorgenommenen Steuererhöhung auf Zigaretten aus der eigenen Tasche berappen!“ Dazu komme noch die Tatsache, dass es sich bei jenen Zigarettensorten, bei denen zuletzt Preissprünge nach unten vorgenommen worden seien, um Produkte aus dem bisherigen Mittelpreissegment handle, die dadurch immer mehr in Richtung Niedrigpreisprodukte abdrifteten. Auch das mache sich direkt in den Kassen der Trafikanten bemerkbar – und das natürlich auf keinen Fall zugunsten der ziemlich letzten verbliebenen Nahversorger in Österreich.
„Politik muss rasch neue Rahmenbedingungen schaffen!“
Um die Einkommen der Trafikanten auch unabhängig von den Preiskämpfen der Tabakindustrie zu sichern, sieht Trinkl die heimische Politik gefordert. Diese müsse endlich dafür die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen. Es habe intern längere Diskussionen gegeben, welche Form der Regelung dafür am besten geeignet sei, etwa die Handelsspannen an die Steuer zu knüpfen oder an die Kleinverkaufspreise. Im Schnitt dürfte eine Bindung an den Preis am fairsten und am reellsten umzusetzen sein, schätzt Trinkl nach Abwägung der Pro- und Kontra-Argumente die Lage ein. Aber welche Lösung auch immer die Politik finde, um die Abhängigkeit der Trafikanteneinkommen von den Preisspielchen der Zigarettenindustrie zu verringern: In jedem Fall sei rasches Handeln angesagt, fordert Trinkl – und unterlegt diese Aufforderung zur Eile mit einem schlagkräftigen Argument: „Als es darum gegangen ist, Mehreinkünfte für den Staatssäckel durch die Erhöhung der Tabaksteuer zu sichern, ist alles blitzartig gegangen. Die Begleitmaßnahmen hat man bis dato liegen gelassen – es ist also dafür jetzt höchste Zeit!“