Feuer & Rausch

Als "akutes Alarmsignal" bezeichnet Trafikanten-Bundesgremialobmann Peter Trinkl die jüngsten Preisentwicklungen auf dem Zigarettensektor. Besonders die Politik des Marktführers macht Sorgen.


Was vor Kurzem mit der erstmaligen Preissenkung für die meistverkaufte Zigarette Österreichs, die Marlboro, begonnen hatte, findet nun eine unrühmliche Fortsetzung: Die Bekanntgabe der Pläne von Marktführer Philip Morris für die Preisgestaltung seines Portfolios in absehbarer Zeit hat bei den rot-weiß-roten Trafikanten tiefe Besorgnis hervorgerufen. Bundesgremialobmann Peter Trinkl spricht gar von einem „absoluten und akuten Alarmsignal“, weil der bislang nach eigenen Aussagen stets auf Wertsicherung bedachte Branchenprimus nunmehr die Vorherrschaft im Billigstpreissegment anzustreben scheine, und das mit den bekannt katastrophalen Auswirkungen auf die Handelsspannen und somit auf das Einkommen der Trafikanten.

„Für die gesamte Branche gefährlich“

„Ich halte es für gefährlich, dass Philip Morris mit diesen Mitteln agiert“, findet Trinkl klare Worte für die Strategie des Unternehmens. Die Absenkung – oder wie es beim Konzern lieber harmlos bezeichnet wird: Anpassung – des Preises der Marlboro von 4,90 auf 4,70 Euro pro 20-Stück-Packung sei ja nur der Anfang gewesen. Mit schwieriger zu durchschauenden Konstruktionen, die mit der Marlboro-Aktion den Preisverfall und somit eine weitere Schwächung der Trafikantenerlöse gemeinsam haben, werde nun eine Richtung eingeschlagen, die für die gesamte Branche gefährlich sei. So wird – wie in der Oktober-Ausgabe von Filterlos berichtet – die Philip Morris One zur Mr. Philip Morris One umgetauft, was natürlich in Zeiten wie diesen mit einem saftigen Preisverfall verbunden ist. „Viele Trafikanten haben darauf empört reagiert, nicht nur, weil ihre Einkünfte damit wieder einmal verringert werden, sondern weil sie das Gefühl haben, dass mit dem Hin- und Herschieben von Marken kräftige Preissenkungen verschleiert werden sollen“, berichtet der Bundesgremialobmann von den Rückmeldungen aus der Kollegenschaft. Den Verdacht der Trafikanten nährte auch die Rochade, die ab Ende November die Philip Morris Supreme zur Marlboro Silver mutieren lässt. Philip-Morris-Sprecher Stefan Pinter hatte das stärkere Engagement des Marktführers im angeblich so ungeliebten Billigsegment mit der „Marktentwicklung der vergangenen Jahre“ begründet, die einen deutlichen Trend zu sinkenden Preisen aufgewiesen habe: „Im Segment unter 4,20 Euro, das bereits rund 20 Prozent des Gesamtzigarettenmarkts ausmacht, haben wir bisher nur einen Marktanteil von etwa fünf Prozent, daher mussten wir reagieren!“ Was die Marlboro Silver betrifft, verwies Pinter auf den „ interessanten Preis von 4,70 Euro“, der den Trafikanten eine gute Handelsspanne garantiere.

Umsätze und Spannen vernichtet

Doch Trinkl lässt sich nicht beschwichtigen: „Dass sich ausgerechnet der Marktführer jetzt im Super-low-Preissegment engagiert, vernichtet Umsätze und somit Handelsspannen. Wirtschaftlich kann ich diese Strategie überhaupt nicht nachvollziehen, ich halte sie für Humbug!“ Umso mehr zeige sich aber, wie dringend eine gesetzliche Änderung der Besteuerung von Tabakwaren notwendig wäre, wie sie auch beim Antrittsbesuch der Trafikanten beim neuen Finanzminister Hans Jörg Schelling angeregt wurde (siehe dazu unseren Bericht auf der nächsten Seite dieser Ausgabe von Filterlos): „Diese allseitige Geldvernichtung geht bei der derzeitigen Gesetzeslage einfach zu leicht!“ Mit jenem Steuervorschlag, den Philip Morris in die Diskussion eingebracht hat, ist der Gremialobmann auch nicht wirklich glücklich: „Es läuft darauf hinaus, dass der prozentuelle Steuersatz erhöht und der valorische Satz, der sich am Stückpreis orientiert, abgesenkt werden soll. Das hieße, dass für teurere Zigaretten vergleichsweise niedrigere Steuerbelastungen schlagend bleiben sollen. Wenn sich aber alles im Niedrigpreissegment drängt, wo bleiben dann unsere Handelsspanne und der Wirtschaftsnutzen?“ Schließlich würden derzeit bereits rund 60 Prozent des Gesamtumsatzes bei Zigaretten mit Billigsorten erzielt – „das bedeutet, dass das interessante Hochpreissegment so wenig zum Umsatz beiträgt, dass die darauf erzielten höheren Erlöse den Karren nicht aus dem Dreck ziehen“. Daher bedürfe es eines Steuersystems, das den Trafikanten lukrative Handelsspannen übers gesamte Sortiment garantiere. Einen weiteren „Pferdefuß“ für seine Berufskollegen sieht der Bundesgremialobmann in der Praxis der Industrie, für höherpreisige Produkte Großpackungen anzubieten, bei denen der Stückpreis relativ günstiger werde: „Auch das schmälert den Verdienst der Trafikanten!“

Entscheidung lang vorher getroffen“

Bei Philip Morris wehrt man sich gegen die Vorwürfe: Im Premiumsegment habe man einen Marktanteil von 75 Prozent, man wolle aber in allen Segmenten Marktführer sein. Da man auf dem Billigsektor mit der L&M nicht erfolgreich gewesen sei, habe man entschieden, die neue Marke Mr. Philip Morris einzuführen, und das unabhängig und lang vor den Preissenkungen der Mitbewerber und der Marlboro. Letztere sei erfolgreich gewesen, weil der Marktanteil der Marlboro seither wieder gestiegen sei, was auch die Trafikanten mehr verdienen ließe. Die Überführung der Philip Morris Supreme in die Premiummarke Marlboro Silver erhalte die Profitabilität für Trafikanten und Erzeuger. Schließlich verteidigte Philip Morris die Big Packs, die abwanderungswillige Raucher bei der Marke hielten und preissensible Kunden zu Höherpreisigem verleiteten. Zur Handelsspanne: Diese solle sich innerhalb des lizenzierten Tabakmonopols am Wirtschaftsnutzen orientieren.


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