Die Statistik bestätigt, was alle Trafikanten am eigenen Leib spüren: Während die Spannen für Zigaretten zuletzt tendenziell gesunken sind, galoppieren die Kosten für Löhne und Mieten davon.

Wäre diese Entwicklung ein Trend, so wäre der Beifall der Trafikanten nicht enden wollend: Die Energiekosten sind in Österreich in den vergangenen
Jahren laut Statistik Austria leicht gesunken. Bei Strom haben sich die Durchschnittspreise pro Kilowattstunde von0,107 Euro im Jahr 2012 auf 0,102 Euro im Jahr 2014 reduziert, ähnlich sieht die prozentuelle Entwicklung beim Gaspreis aus. Aber: Leider ist das in Bezug auf die Nebenkosten in den Trafiken nicht die Regel, sondern die absolute Ausnahme. Die übrigen Fixkosten sind teilweise sogar dramatisch gestiegen – für Gehälter mussten Trafikanten ihren Angestellten in den vergangenen Jahren laut Kollektivvertrag Erhöhungen zwischen 2,1 und 3,6 Prozent gewähren (siehe Grafik), die Mietkosten und der Verbraucherpreisindex, der die Entwicklung der Kosten für die gebräuchlichsten Konsumgüter beobachtet, schnellte ebenfalls zwischen 0,9 und 2,4 Prozent jährlich in die Höhe. Man braucht nicht Adam Riese zu bemühen, um zu erkennen: Diese teils beträchtlichen Ausgabensteigerungen können für die Wahrung des gewohnten Lebensstandards von Trafikanten nur durch Mehreinnahmen in gleicher Höhe ausgeglichen werden. Allein: Die wichtigste
Einnahmequelle, die Handelsspannen für Zigaretten, hat sich in den vergangenen Jahren tendenziell nach unten bewegt. Grund ist nicht zuletzt
die hartnäckige Weigerung der Industrie, Steuererhöhungen über den Preis an die Konsumenten weiterzugeben. Auf der Strecke bleiben die Trafikanten, deren Margen immer weiter absacken.

Gehälter im Detail
Bei den Gehältern wurde im allgemeinen Groß- und Kleinhandel, wozu auch die Trafiken gehören, die bis 2014 geltende Zweik(l)assengesellschaft begradigt. Bis dahin waren die kollektivvertraglichen Gehälter in Salzburg und Vorarlberg etwas höher als jene im Rest Österreichs, seit 2015 marschiert man bei den Löhnen für Neueinsteiger im Gleichschritt. Bei länger dienenden Angestellten bleibt der Gehaltsvorsprung freilich bestehen. Im ersten Berufsjahr stieg das monatliche Bruttogehalt von 1.450 bzw. 1.462 Euro im Jahr 2014 auf einheitlich 1.523 Euro im heurigen Jahr. Im zehnten Berufsjahr
verdienen Angestellte aktuell bereits 1.698 bzw. 1.754 Euro pro Monat – vor zwei Jahren waren es noch 1.638 bzw. 1.698 Euro gewesen. Und im 18. Berufsjahr gibt es im (virtuellen) Lohnsackerl mittlerweile 1.942 beziehungsweise 2.005 Euro pro Monat – 2014 hatte es 1.873 beziehungsweise 1.935 Euro monatlich gegeben.

Regionale Unterscheide bei Mieten
Gehen Gehaltserhöhungen mittlerweile also für das gesamte Bundesgebiet im Gleichschritt über die Bühne, gibt es bei der Entwicklung der Mieten in den
vergangenen Jahren teilweise gewaltige regionale Unterschiede. Wenig überraschend gab es die kräftigsten Preisschübe in der Bundeshauptstadt Wien,
wo die durchschnittlichen Mieten zwischen August 2014 und August 2015 um 1,62 Prozent und danach bis zum heurigen August um weitere 3,71 (!) Prozent stiegen. Ebenfalls beträchtlich waren im selben Zeitraum die Preissprünge in der Steiermark, wo Erhöhungen von 1,30 beziehungsweise 2,45 Prozent in der Statistik aufscheinen. Geradezu moderat nehmen sich im Vergleich dazu die Mieterhöhungen in Niederösterreich aus, wo im August 2015 um durchschnittlich 0,93 Prozent mehr bezahlt werden musste als ein Jahr zuvor, und im heurigen August ein weiteres Ansteigen um 0,38 Prozent in Kauf genommen werden musste. Zu beneiden sind da – wenn man die Statistik als alleinigen Maßstab hernimmt – die Burgenländer: Bei ihnen blieben die Mieten in den vergangenen zwei Jahren praktisch unverändert.

Monopolgesellschaft vor Umdenken
Mit diesen Fakten konfrontiert, kündigte der Geschäftsführer der Monopolverwaltungsgesellschaft (MVG), Hannes Hofer, in seiner Stellungnahme gegenüber
Filterlos ein Umdenken an: „Die MVG hat sich in der Vergangenheit großteils mit dem Tabakumsatz beschäftigt. Dass für die wirtschaftliche Nachhaltigkeit
aber alle Einkünfte und Kosten relevant sind, liegt auf der Hand!“ Hier werde sich der Fokus der Monopolgesellschaft ändern. Er, Hofer, erwarte sich davon, dass damit die Ursachen für wirtschaftliche  Entwicklungen transparenter werden, dass man es schaffen werde, Entwicklungen gemeinsam mit den Trafikanten auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten festzustellen, und man dann ebenfalls gemeinsam etwas gegen Fehlentwicklungen unternehmen könne. Der MVGGeschäftsführer abschließend „Ich erwarte mir durch diese Maßnahmen einen Anstieg der Vertrauensbasis und damit auch eine Steigerung der Schlagfertigkeit für unsere gesamte Branche!“

Skrdla: „Alle Beteiligten gefordert“
Handlungsbedarf sieht auch die Obfrau der Wohlfahrtseinrichtung der Tabaktrafikanten Österreichs (WE), Heidemarie Skrdla: „Die Nebenkosten laufen uns
davon, und wir können uns diese Mehrkosten im Gegensatz zu den meisten anderen Handelsbranchen nicht einfach durch Preissteigerungen zurückholen.
Daher wäre es umso wichtiger, dass die Handelsspanne für Zigaretten entsprechend gestaltet wird, um unsere Einkommen zu sichern!“
Gefordert sei aber auch „Vater Staat“, der dank zahlreicher Erhöhungen der Tabaksteuer in den vergangenen Jahren kräftig an der Branche verdient habe:
„Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass wir unsere steigenden Nebenkosten irgendwo auf der Einnahmenseite einbringen können!“
Und diese Nebenkosten beträfen ja nicht nur Gehälter und Mieten, sondern auch noch viele weitere Bereiche des täglichen Geschäftslebens wie Bankspesen, Bankomatgebühren oder andere Dinge, die man im Alltag oft kaum besonders wahrnehme.

Prirschl: „Jährliche Anpassung“
Der Obmann des Bundesgremiums der österreichischen Tabaktrafikanten, Josef Prirschl, schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Fakt ist, dass wir Trafikantinnen und Trafikanten unsere Preise nicht selbst gestalten können, weil diese durch die Industrie beziehungsweise den Großhandel festgesetzt werden. Für die Zukunft benötigen wir daher Maßnahmen wie eine entsprechende jährliche Anpassung der Mindesthandelsspanne, um die Steigerung der Kosten sowie die neuerlich bevorstehende Tabaksteuererhöhung 2017 ausgleichen zu können!“





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