Dritter Teil der Interviewserie mit Landesgremialobleuten: Gabriele Karanz schießt scharf gegen Imperial Tobacco und präsentiert das Highlight des kommenden Fachgruppentages.

Wenn Sie auf das Jahr 2010 zurückblicken – was war für Sie das Highlight?
Mit Sicherheit die Wirtschaftskammerwahl. In Niederösterreich waren wir Spitzenreiter bei der Wahlbeteiligung und haben ein tolles Ergebnis eingefahren. Ich bin sehr glücklich, dass die Trafikanten so geschlossen hinter ihrer Interessenvertretung stehen. Das bestätigt unsere Arbeit.

 

Wie stellt sich die Trafikantenstruktur in Niederösterreich dar – vor allem im Verhältnis Fachgeschäfte versus Verkaufsstellen?
Wir müssen grundsätzlich vorsichtig mit der Ausdünnung der Versorgungsstruktur sein. Im Gegensatz zu Wien kann ich in Niederösterreich – schon allein wegen der Größe des Bundeslandes – nicht allein auf Fachgeschäftesetzen. Wir brauchen auch kleinere Verkaufsstellen, um die Nahversorgung zu sichern. Allerdings gibt es mit mir keine neuen Bewilligungen für Verkaufsstellen oder Fachgeschäfte in Einkaufszentren. Das halte ich seit meinem Amtsantritt so, und das wird auch so bleiben. Gerasdorf also nur über meine Leiche.

 

Der Fall des Vöslauer Gastronomen Werner Staud, der mit seiner Trafiklizenz das Rauchverbot in der Gastronomie umgangen hat, hat gewaltig Staub aufgewirbelt. Wie stehen Sie dazu?
Werner Staud hat eine provisorische Lizenz, die auf zwei Jahre angelegt ist. Die Monopolverwaltung könnte dieses Provisorium jederzeit beenden. Da wir aber in einer Seitenstraße in Bad Vöslau zu Jahresbeginn 2011 eine verbundene Verkaufsstelle für eine behinderte Person eröffnen werden, wird sich das Provisorium des Herrn Staud von selbst erledigen.

 

Wie schaut’s denn im Moment mit dem Schmuggel an Niederösterreichs Grenzen aus?
Wir lagen heuer – Gott sei Dank! – in allen Bezirken wieder im Plus. Der landesweite Trend liegt also bei einem Plus von zwei bis drei Prozent. Die  Ausnahme ist lediglich der Bezirk Scheibbs. Dort weisen wir ein Minus von sieben Prozent aus. Die einzige Erklärung, die wir dafür haben, ist, dass offensichtlich Schmuggelbanden ihr Tätigkeitsrevier von Lilienfeld nach Scheibbs verlagert haben. Denn in Lilienfeld hatten wir 2009 dieses Phänomen. Lilienfeld hat sich mittlerweile wieder beruhigt. Unerklärlich sind auch Umsatzverluste von Trafiken, die in der Region nahe der Autobahn bei St. Pölten liegen. Es gibt dort nämlich keine neuen LKW-Rastplätze. Jedenfalls haben wir an beiden Standorten bereits den Detektiv Wilfried Bankel angesetzt. Und generell können wir bestätigen, dass die Grenzsituation stabil ist. Auch nach der Tabaksteuererhöhung in Österreich erwarten wir keine negativen Veränderungen, weil Tschechien und die Slowakei ebenfalls mitziehen.

 

Wie steht die Sache mit „Excalibur“ im Moment?
Ronald Seunig hockt in „Excalibur“ an der Grenze wie früher die Raubritter an der Donau. Mein Letztstand ist, dass er die Republik klagen will. 

 

Wie stellt sich für Sie die Zusammenarbeit mit der Industrie dar?
Ein schwieriges Kapitel. Als Interessenvertreterin muss ich festhalten, dass es eine Schweinerei ist, wie Imperial Tobacco uns Trafikanten durch die Preisabsenkung bei der West das Geld aus der Tasche gezogen hat. Es hat sich dabei schließlich um bereits bestellte und bezahlte Ware gehandelt, für die wir jetzt weniger Gewinn lukrieren konnten. Lächerlich war in diesem Zusammenhang die Argumentation, diese Preisabsenkung diene der Schmuggelbekämpfung. Bei 0,7 Prozent Marktanteil eine sehr effektive Maßnahme, oder? Was da passiert ist, halte ich für mutwilliges Ruinieren unserer Umsätze. Als Berufsvertreterin bin ich weiters der Ansicht, dass unter dieser Aktion die Glaubwürdigkeit der gesamten Tabakindustrie bei der Finanz gelitten hat. Das heißt, es glaubte niemand mehr im Finanzministerium daran, dass ein Mehraufkommen an Tabaksteuer allein durch höhere Preise und ohne Steuererhöhung zu erwirtschaften gewesen wäre. Der Finanzminister hat reagiert und jetzt haben wir den Salat. Bezahlen müssen die Zeche jetzt Handel und Konsumenten. Manchmal denke ich mir, die Industrie sollte lieber schauen, dass sie in den Umländern die Preise anhebt, als sie hierzulande abzusenken.
 

 

Welche Pläne haben Sie für 2011?
Highlight wird sicherlich unser Fachgruppentag am 3. April in Stockerau. Wir hatten im Vorjahr die Innenministerin Maria Fekter als Keynote-Speakerin. Für 2011 haben wir den Finanzminister  Josef Pröll eingeladen. Bis  heute hat er uns nicht abgesagt. Und dann setzen Sie noch ein großes soziales Anliegen um? Richtig. Es geht um den 27-jährigen Bauarbeiter Ronald Reisinger, der vor circa eineinhalb Jahren in einem riesigen Betonmischer an seinem Arbeitsplatz an der Autobahn einen Arbeitsunfall hatte. Beide Beine mussten amputiert werden, dazu der linke Gesäßmuskel. Reisinger hat einen vierjährigen Sohn. Er hat Pflegestufe drei. Seine Lebensgefährtin kann deswegen nicht arbeiten gehen. Seine Berufsunfähigkeitspension beläuft sich auf 900 Euro und wird ihm nur rund eineinhalb Jahre gewährt. Wir helfen ihm gemeinsam mit dem Bundessozialamt,
der Monopolverwaltung und dem KOBV, dass er im Frühjahr eine Trafik übernehmen kann.