Tabakgesetz: Mit Wortwahl und Interpretation betreiben Medien Kampagnisierung

 

Ein halbes Jahr nach Inkrafttreten des Tabakgesetzes legte der Fachverband Gastronomie eine Untersuchung vor, die die Auswirkungen des Rauchverbotes auf die Lokale in Augenschein nahm. Natürlich war das ein gefundenes Fressen für die Medienmeute. Mitten unter den Zuhörern auch der Wiener Umwelthygieniker Manfred Neuberger, Leiter der Präventivmedizin am AKH Wien und edler Anti-Raucher- Kämpfer im Schatten des Herrn Erlacher. Es war bemerkenswert und warfein scharfes Licht auf die Interessenslage der anwesenden Medien, dass weniger der Obmann der Gastronomen, Helmut Hinterleitner, zu Fragen Stellung nehmen musste. Es war vielmehr Manfred Neuberger, den sich die Medien als beliebten Gesprächspartner aussuchten. Das spiegelte sich denn auch in der Berichterstattung wider.

Eine Frage der Objektivität. krone.at und diepresse.com stellten zumindest die Thesen der beiden Lager gegenüber. kurier.at brachte kaum Untersuchungsergebnisse, aber ein langes Statement von Herrn Neuberger. derstandard.at, der gleich zwei Redakteurinnen aus verschiedenen
Ressorts geschickt hatte, titelte flapsig: „Wirt’n tischen positive RV-Bilanz auf“. Achtung! Mit dem Wort „auftischen“ unterstellt man den Fakten mangelnde Glaubwürdigkeit. „Auftischen“ tut man in der Regel Flunkereien. Den Vogel schoss aber orf.at ab: Dort wurde überhaupt nicht auf die 33 Prozent Raucher eingegangen, die künftig weniger in die Gastronomie gehen wollen. Nein, Highlight und Titel der Geschichte waren die fünf Prozent Nichtraucher, die künftig häufiger auswärts essen. Ob das den Wirt’n hilft?