Georg Schmidhuber, Obmann der Salzburger Trafikanten, will die Fachgeschäfte stützen und keine Kriminalisierung der Kollegenschaft durch die EU-Regulierungswut zulassen.

Die Kriminalitätsrate ist nach der neuesten Statistik österreichweit im Sinken, trotzdem geraten Trafiken immer wieder in die Schlagzeilen. Beim  jüngsten Überfall in Oberndorf wurde mit besonderer Brutalität vorgegangen. Warum sind Trafiken so gefährdet?
In den Trafiken steht oftmals nur eine Person im Verkaufsraum, das ist mitunter ein Grund, warum sie von Überfällen eher betroffen sind als größere Verkaufsläden. Trafiken rate ich, eine Alarm- Videoanlage einzubauen, nicht zu viel Bargeld im Geschäft zu lassen und in den Abendstunden, wenn möglich, eine zweite Person im Geschäft zu aben. Auch Zigarettenautomaten, Eingangstüren und Fenster sollten gut gesichert sein.  Beim jüngsten Überfall in Oberndorf konnte der Täter mittels einer scharfen Videoüberwachung nach einigen Tagen gefasst werden.

 

Welche Bilanz ziehen sie für 2010?
Die monatlichen Info-Stammtische wurden, so wie in den vergangenen Jahren, regelmäßig abgehalten und waren gut besucht. Eine Reise zur Cigarrenfabrik Dannemann nach Eisenach wurde organisiert und der Fachgruppentag fand zum ersten Mal in „Stiegl’s Brauwelt“ statt und wurde wieder zu einem vollen Erfolg.

 

Wie sieht die Trafikantenlandschaft aktuell im Land Salzburg aus?
In Salzburg haben wir derzeit 167 Tabakfachgeschäfte und 269 verbundene Verkaufsstellen. Somit haben wir eine gute, flächendeckende Nahversorgung
im Bundesland. Wichtig ist uns, dass die Tabakfachgeschäfte in der derzeitigen Struktur erhalten bleiben. Dazu wird es unter Umständen notwendig sein, auch Tabakverkaufsläden zu Tabakfachgeschäften umzustrukturieren.

 

Die Tabaksteuer soll in Etappen bis 2014 erhöht werden, Salzburg grenzt ja nicht direkt an ein Zigarettenbilligland, welche Auswirkungen sind auf den salzburgisch-bayrischen Grenzbereich zu erwarten?
Ich hoffe, dass die Preisanhebung in kleinen Schritten vor sich geht, so dass wir nicht mit Schmuggel, und dadurch mit Umsatzrückgängen, zu kämpfen haben. Wichtig erscheint mir auch, dass die Handelsspanne so wie bis jetzt erhalten bleibt. Trafikanten im grenznahen Raum, beispielsweise Liefering, Oberndorf oder Großgmain, haben bis jetzt ein wenig vom Zigarettentourismus profitiert, denn in Deutschland sind Zigaretten um bis zu zwanzig Prozent teurer. Wie es zukünftig nach den Preisanhebungen aussieht, ist noch fraglich. Stichwort Schmuggel: Bei Busunternehmern, Frächtern und Saisonarbeitern
wäre mehr Kontrolle wünschenswert.

 

Wie stehen sie zum Verbot von Zusatzstoffen und der Einführung einer Einheitszigarette?
Die EU möchte die Zigaretten nach innen und außen als Einheitsprodukt haben, um keinen optischen Anreiz zu bieten. Das Endergebnis wären vier bis fünf verschiedene Zigarettensorten, je nach Stärke. Das wäre für uns Trafikaten und für die Industrie eine Katastrophe. Sollten einheitliche Zigarettenpackungen eingeführt werden, sowie Zigaretten nicht mehr offen verkauft werden, so würde das sowohl den Raucher als auch den Trafikanten diskriminieren. Die Trafikanten würden als Dealer und Kriminelle abgestempelt werden. Kein Raucher entscheidet sich durch solche Aktionen, mit dem Rauchen aufzuhören.

 

Stichwort Post und Trafiken – gibt es bereits Zusammenschlüsse im Land Salzburg?
In Salzburg haben einige Trafiken im ländlichen Bereich Postpartnerschaften. Problematisch ist bei vielen das Platzangebot und der Verdienst ist relativ gering. Wenn damit die Frequenz im Geschäft gesteigert wird, halte ich es durchaus für sinnvoll.

 

Um welche Produkte sollte der Nebenartikelkatalog erweitert werden?
In der Vergangenheit gab es eine vernünftige Erweiterung des Nebenartikelkataloges. Der Sweet and Fresh Bereich wurde 2005 eingeführt, die Getränke kamen 2007 dazu. Den Nebenartikelkatalog soll jeder Trafikant für sein Verkaufsgebiet anpassen. Wünsche gäbe es viele, man sollte allerdings auch das Monopol nicht gefährden. Die Kubatur für Süßwaren wurde vorgegeben und der Trafikant kann aus 20 Artikeln wählen. Der Artikel darf allerdings nicht mehr als 60 Gramm wiegen, das sind so genannte Mitnahmeartikel. Auch der Umsatz von Trafikplus ist ständig gewachsen.