Im urbanen Umfeld muss eine Trafik in ein paar Minuten zu Fuß erreichbar sein, sagt Peter Ruschka, Obmann des Landesgremiums der Wiener Tabaktrafikanten.

Wie entwickelt sich in Wien die Struktur von Fachgeschäften und Verkaufsstellen? Gibt es da noch Bereinigungspotenzial?
Wir haben in Wien derzeit 795 Tabakfachgeschäfte und 68 Tabakverkaufsstellen. Daraus sieht man schon, dass Tabakverkaufsstellen im urbanen Bereich weniger eine Rolle spielen. Eine Strukturbereinigung folgt im urbanen Umfeld also anderen Gesetzmäßigkeiten als auf dem Land. Es ist deshalb auch schwer, ein Bereinigungspotenzial zu  beziffern.

 

Mehr als anderswo sind in Wien demnach individuelle Gegebenheiten zu berücksichtigen?
Sicher. Wir haben etwa Einkaufsstraßen, wo nicht mehr viel los ist, wie etwa auf der Thaliastraße oder der Floridsdorfer Hauptstraße. Trafikanten sind dort mitunter die letzten verbliebenen Nahversorger. Oder nehmen Sie bestimmte „Wohngrätzel“. Früher hat die Mama die Kinder zum Greißler geschickt oder auch in die Trafik, um Zigaretten für den Papa zu holen, wenn er von der Arbeit heimkommt. Das ist mit den Jugendschutzbestimmungen jetzt vorbei. Was passiert? Der Papa kauft sich die Zigaretten jetzt nicht mehr in der Wohngegend, sondern vielleicht auf dem Weg zur Arbeit oder in der Nähe der Arbeitsstelle.

 

Ein anderes aktuelles Thema – gerade für Wiener Trafiken – ist wohl die Frage der Sicherheit?
Ja, es gab in letzter Zeit viel Aufregung um Wiener Trafiken. Generell aber muss man sagen, dass im Vorjahr die Zahl der Raubüberfälle auf Trafiken um ein Drittel zurückgegangen ist. Da leistet die Polizei großartige Arbeit. Da helfen vielleicht auch unsere Veranstaltungen mit Tipps zum Verhalten. Und da hilft vielleicht auch die Förderaktion für die Installation von Alarmanlagen, um deren Fortsetzung wir uns bemühen.

 

Der Preisunterschied zu den östlichen Nachbarländern wird immer größer. Droht Wien vermehrt in den Fokus des Schmuggels zu geraten?
Das ist denkbar. Aber den Mexikoplatz, Flohmärkte, Klein-Lkws, die in der Frühstückspause große Unternehmen versorgen oder Ähnliches bei Großbaustellen – das hatten wir in Wien schon immer. Wenn wir davon erfahren, reagieren wir auch immer sehr rasch. Dass die Konsumenten aber generell sehr preissensibel geworden sind, das ist ein Faktum. Vor diesem Hintergrund kann es schon sein, dass uns die Tabaksteuererhöhung Probleme hinsichtlich der Abwanderung von Kunden macht. Da ist die Europäische Union jetzt gefordert, für eine Angleichung der Tabaksteuer in den Mitgliedsländern zu sorgen.

 

Wo setzen Sie Ihre Schwerpunkte in der Interessenspolitik?
Zum einen im Bereich von Veranstaltungen wie etwa mit dem Unternehmensberater Peter Kinauer. Dabei ging es um das aktive Verkaufen zur Generierung von Zusatzgeschäft. Das ist jedenfalls gut investierte Zeit und Mühe.

 

Ein Beispiel bitte.
Lösen Sie nicht nur einen Lottogewinn ein, sondern fragen Sie, ob der Kunde eine neue Chance will. Fragen Sie bei Lotto nicht nach Joker – ja oder nein, sondern: ein, zwei, drei Joker? Oder bieten Sie eine Zeitschrift an, wenn Sie wissen, wofür sich der Kunde interessiert. Aber auch Zubehör und Nebenartikel bieten die Chance für Zusatzgeschäfte.

 

Weitere Schwerpunkte?
Als ganz wichtig für das  unternehmerische Fortkommen von Trafikanten erachten wir Hilfestellungen bei der Warenpräsentation oder bei Kostensenkungsprogrammen. Dabei geht es
einerseits darum, dem Kunden, der in die Trafik kommt, Gusto auf etwas zu machen – etwa die Präsentation von Pfeifen oder Wasserpfeifen. Bzw. geht es darum, Gewinne zu optimieren, indem man sich die Kostenstruktur in der Trafik anschaut. Das reicht von Dienstplänen der Mitarbeiter über KFZ-Kosten bis zu den Versicherungen. Vignetten liegen ja nur im Dezember, Jänner vermehrt in der Trafik. Da brauche ich im Sommer keine hohe Versicherungsprämie zu bezahlen. Neu ist, dass wir unseren Mitgliedern eine kostenlose Anwaltssprechstunde anbieten. Ansonsten ist unsere Interessenspolitik geprägt von kleinen, aber wertvollen Hilfestellungen im Alltag. Das ist nicht spektakulär, aber hilfreich.