Jede vierte Zigarette, die in Kärnten geraucht wird, stammt nicht aus dem heimischen Fachhandel. Die Trafikantenschaft wehrt sich mit Detektiven. Filterlos war am Wurzenpass dabei.

Die von Bundesgremialobmann Peter Trinkl genannten Zahlen lassen wieder einmal aufhorchen: 26,1 Prozent aller Zigaretten, die in Kärnten geraucht werden, wurden ins Land geschmuggelt. Das bedeutet, dass mehr als jede vierte Zigarette nicht in einem heimischen Fachgeschäft erworben wurde. Die Kärntner Trafikanten lassen sich das nicht länger bieten. Ihre Gegenstrategie: Sie setzen wieder Detektive ein, die die Grenzübergänge nach Slowenien und die dort verkehrenden Schmuggler ins Visier nehmen.

Unauffällig zu zweit. Ort der Operation ist der Duty-free-Shop am Wurzenpass. Vorgefahren wird nicht im schicken Flitzer à la James Bond, sondern in einer unauffälligen Familienkutsche, die niemandem ins Auge sticht. Das ist das Ziel der privaten Ermittler: unbemerkt bleiben, die Schmuggler in Sicherheit wiegen. Die Detektive sind zu zweit. Wozu? Der Chef-Ermittler: „Wir müssen schnell reagieren können. Einer beobachtet den Shop. Wenn er einen Großschmuggler entdeckt, verständigt er den anderen via Handy. Der verfolgt den Täter und alarmiert den Zoll.“

Kurz vor dem Grenzübergang steigt ein Detektiv aus und stapft durch den Schnee zu einem Punkt, von dem aus der „Kompas“- Shop ungesehen beobachtet werden kann. Währenddessen wendet der Kollege den Wagen und platziert sich auf einem Parkplatz in der Nähe. Filterlos begleitet den „Außendienstler“ in die Büsche. Der nimmt hinter einem Baum Aufstellung und macht seine Ausrüstung bereit: Eine Kamera, deren Zoom es trotz der großen Entfernung erlaubt, selbst die Augenfarbe der „Kundschaft“ im Bild festzuhalten. Abstreiten ist später zwecklos.

Kunden aus ganz Kärnten. Die Frequenz
vor dem Shop ist enorm. Beinahe jede Minute trifft ein Wagen ein, dessen Insassen sich mit slowenischen Zigaretten eindecken wollen. Die Kennzeichen geben die Geografie Kärntens wieder: Feldkirchen, Villach, Klagenfurt – sämtliche Städte sind vertreten. Nicht nur das: Der Schmuggel schafft auch Einigkeit innerhalb der sozialen Schichten. Handwerker, junge Hip-Hopper, Damen der besseren Einkommensklassen geben sich die Klinke in die Hand. Und dann bekommt es der Detektiv mit einer alten Bekannten zu tun. „Unglaublich“, murmelt er und hält den Zeigefinger fest am Aufnahmeknopf, „diese Frau haben wir schon einmal beim Schmuggeln erwischt.“ Sie verschwindet im Laden und taucht kurz später mit einer gut gefüllten Tasche wieder auf. Zehn Stangen Zigaretten hat sie gekauft, obwohl ihr spätestens seit ihrer jüngsten Begegnung mit den Ermittlern klar sein müsste, dass derzeit die Einfuhr von lediglich vier Stangen oder 800 Zigaretten erlaubt ist. Nun ist sie abermals auf Video gebannt.

Kein Kavaliersdelikt. Wer die Szenen am Wurzenpass miterlebt, der weiß, dass Trinkl nicht übertreibt, wenn er sagt: „Es ist Feuer am Dach!“ Seine Forderung: „Zum einen müssen die Kontrollen seitens  der Exekutive noch weiter verstärkt werden, zum anderen muss in die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung investiert werden. Zigarettenschmuggelist kein Kavaliersdelikt!“ Dass er damit den Kern trifft, zeigt die Situation vor Ort. Ein Gutteil der „Kompas“-Kunden pfeift auf die Gesetze und kauft mehr als die erlaubte Menge. Dabei fehlt das Unrechtsempfinden völlig: Kaum einer versucht seine Zigaretten zu verstecken, sie werden ungeniert und für jeden sichtbar aus dem Shop getragen. Die Mühe, sie zu verstecken, macht sich an diesem Tag niemand. Die Schmuggler fühlen sich sicher – zu Unrecht.

Schließlich beenden die Detektive die Aktion. Telefonisch wird ein Treffpunkt vereinbart, an dem der Wagen die Beobachter wieder aufnimmt. Ein  Großschmuggler wurde nicht ertappt, doch die vielen „kleinen Fische“ zeigen, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Der Chefdetektiv nach Durchsicht der Aufnahmen: „Ein Wahnsinn. Was hier an Stangen verkauft wird, verkauft eine Trafik an einzelnen Päckchen“ – mit millionenschweren Folgen für den Fachhandel.