Besitzer JTI schließt mit Hainburg das letzte Werk für Zigarettenproduktion in Österreich. Rund 320 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz, Österreich verliert ein weiteres Stück Tradition. In der Betreuung der Trafikanten soll sich jedoch nichts ändern, verspricht JTI-Österreich-Chef Hagen von Wedel im Gespräch mit Filterlos.

Rund um den Jahreswechsel dürfte es so weit sein: Da wird auf Geheiß des Austria-Tabak- Inhabers Japan Tobacco International (JTI) die letzte Zigarettenproduktionsstätte Österreichs im niederösterreichischen Hainburg geschlossen – und zwar für immer. Damit wird der Schlusspunkt hinter fast 230 Jahre Unternehmensgeschichte in Österreich gesetzt – die durch Kaiser Josef II. im Jahre 1784 mit der Gründung der Österreichischen Tabakregie, aus der später die Austria Tabak werden sollte, begonnen hatte. Warum jetzt der Befehl aus Japan kam, die Rollbalken herunterzulassen, begründet JTI-Österreich- Chef Hagen von Wedel mit der zu geringen Produktion: „Das Werk in Hainburg hätte jährlich rund 15 bis 20 Milliarden Stück Zigaretten produzieren müssen, um wirtschaftlich zu arbeiten. Im stärksten Jahr wurden jedoch lediglich 13 Milliarden Stück erreicht, zuletzt waren gar nur noch zehn Milliarden Zigaretten im Jahr aus Hainburg!“ Daher habe JTI im Mai verfügt, das Werk zu schließen. Die Produktion soll auf die vier übrigen europäischen Werke in Polen, Rumänien, Frankreich und Deutschland aufgeteilt werden, erklärt von Wedel im Gespräch mit Filterlos.

Der Belegschaft in Hainburg stellt von Wedel ein hervorragendes Zeugnis aus: „Die Menschen haben gut gearbeitet, sie können überhaupt nichts für die Schließung!“ Dennoch verlieren in Hainburg 240 Leute ihren Job, 80 weitere kommen in Wien dazu, wo die Organisationsstruktur der Austria Tabak an die neuen Gegebenheiten angepasst wird. Wenn in Hainburg das Eingangstor endgültig geschlossen wird, was laut von Wedel Ende heurigen oder Anfang nächsten Jahres der Fall sein wird, bleiben noch rund 500 Beschäftigte in Österreich übrig, der Großteil davon bei tobaccoland, aber auch das Ökolab bleibt erhalten. Zum Vergleich: Vor der Schließung der Werke Schwaz, Linz und Österreichs ältester Zigarrenfabrik im oststeirischen Fürstenfeld waren es noch 3.500 Arbeitsplätze gewesen. Für die von der Kündigung betroffenen Mitarbeiter laufen derzeit Verhandlungen zwischen Konzernspitze und Betriebsrat, um „gute Lösungen“ auszuarbeiten. Vermutlich wird am Ende des jetzt begonnenen Konsultationsprozesses ein Sozialplan stehen, der eine Arbeitsstiftung umfassen könnte. „Wir lassen die Leute nicht allein“, verspricht der JTI-Österreich-Chef.

Trafikanten-Betreuung soll gleich bleiben. Befürchtungen, wonach sich die tiefgreifenden Änderungen bei Austria Tabak auch auf die Betreuung der Trafikanten auswirken könnten, versucht von Wedel zu zerstreuen:  „Die Trafikanten bekommen das überhaupt nicht zu spüren, es ist kein einziger Vertrag davon betroffen. Sogar die Ansprechpartner werden dieselben bleiben und das Service läuft weiter wie gewohnt.“ Man sei bestrebt, die partnerschaftliche Zusammenarbeit in vollem Umfang aufrechtzuerhalten.

Die „österreichische Zigarette“. Was erzählt man jetzt als Trafikant jedoch jenen zahlreichen Kunden aus  dem Ausland, die nach einer österreichischen Zigarette verlangen? „Damit war doch auch bisher die klassische Memphis gemeint, die man nur in Österreich und sonst nirgendwo bekommt“, ist von Wedel überzeugt. Da in allen JTI-Werken dieselben Produktionsstandards gelten, habe man schon bisher am Geschmack keine Unterschiede zwischen Produkten aus den einzelnen Fabrikationen bemerken können. In Österreich sei beispielsweise
für ganz Europa die Benson & Hedges light produziert worden – und die habe wohl kaum jemand als typisch österreichische Zigarette wahrgenommen. Daher werde man die Memphis wohl auch in Zukunft als „klassische Österreicherin“ über den Ladentisch wandern lassen.

Veränderte Rahmenbedingungen. In ihrer offiziellen Presseaussendung zur beabsichtigten Schließung des Werkes Hainburg machte JTI vor allem „geänderte Rahmenbedingungen“ für den Entschluss zum Aus für die Produktion in Österreich verantwortlich. Seit dem Jahr 2007 seien in der EU sowohl der Konsum als auch das versteuerte Zigarettenvolumen zurückgegangen. Verstärktworden sei dieser Trend durch die Finanzkrise und Tabaksteuererhöhungen in ganz Europa. Gleichzeitig habe es einen Anstieg der nicht versteuerten Zigarettenmengen durch Schmuggel und die vermehrte Verfügbarkeit gefälschter Produkte gegeben. Davon seien auch die Produktionsmengen in Hainburg stark betroffen worden. Der österreichische Markt wiederum, der rund 40 Prozent der Produktion von Hainburg entspreche, sehe sich selbst mit zunehmend großen Herausforderungen konfrontiert und habe daher den Volumenrückgang der anderen Märkte nicht wettmachen können.
Als diese Herausforderungen nannte JTI „zum einen die dramatischen Tabaksteuererhöhungen im Jahr 2011, bei denen die Regierung die von unserem Unternehmen und den Trafikantenvertretern gemachten Vorschläge zur Steigerung des Tabaksteueraufkommens und gleichzeitig weniger drastischen Auswirkungen auf den versteuerten Zigarettenmarkt nicht berücksichtigte“; zum anderen gebe es einen sehr hohen Anteil „nicht in Österreich versteuerter Zigaretten – begünstigt durch die Erhöhung der Einfuhrlimits von 200 auf 800 Stück Zigaretten“. Unter diesen Umständen, so die JTI, sei es umso wichtiger, dass ihre Produkte für den österreichischen Markt kosteneffizient produziert würden.

Politik gab Einfluss 2001 auf. Tatsache bleibt: Die österreichische Politik hatte ihr Recht auf Einflussnahme auf die Zigarettenproduktion made in Austria 2001  durch die Privatisierung der Austria Tabak aufgegeben.