Schnell zur nächstgelegenen Tankstelle für eine Schachtel Zigaretten oder ein Getränk? Diese Nahversorgung fällt immer öfter der Rationalisierungspolitik der Öl-Multis zum Opfer.

Dass der traditionelle Tankwart den Selbstbedienungs-Zapfsäulen zum Opfer gefallen ist, sind Österreichs Autofahrer nunmehr schon seit Jahrzehnten gewöhnt. Neu ist allerdings ein anderer Trend, der immer öfter auch heimische Trafikanten (be-)trifft und der Nahversorgung den nächsten Nackenschlag verpasst: Wo früher auch schnell einmal eine Packung Zigaretten, ein kühles Getränk oder ein nahrhaftes Weckerl geholt werden konnten, gibt es nur noch Tankautomaten, die ausschließlich mit Bankomat- oder Kreditkarte benützt werden können – und sonst gar nichts. Alle weiteren Angebote oder gar Personal, sei es für den Verkauf, für Beratung oder für kleine Handgriffe am widerspenstigen Fahrzeug, sucht man vergebens.

Schon Dutzende Tankstellen betroffen. Insgesamt seien in den vergangenen Monaten schon mehrere Dutzend Tankstellen umgestellt worden, wobei die Marken Eni (früher Agip) und BP sowie das Bundesland Kärnten am allerstärksten betroffen seien, weiß die Geschäftsführerin der Monopolverwaltung, Tina Reisenbichler. Dabei würden sich die Öl-Multis an den nackten Umsatzzahlen orientieren – Aspekte der Nahversorgung spielten keine Rolle. Für die Trafikanten, denen die entsprechenden Tankstellen zurayonniert waren, hat der Wegfall des Tankstellenshops gravierende finanzielle Folgen. Da geht es schon um den Entfall von beträchtlichen 50.000 bis 100.000 Euro Umsatz, die da an einem einzigen Standort in nur einem Jahr wegbrechen können.

Was kann der Trafikant dagegen tun? „Eigentlich gar nichts, er ist machtlos und kann sich nicht wehren“, zuckt Reisenbichler mit den Achseln. Allerdings sei das Bundesgremium der Tabaktrafikanten bereits auf der Suche nach einem Ausweg aus der nächsten geschäftlichen Misere: Mit den Tankstellenpächtern wolle man klären, ob dort, wo der neue Minimalismus an der Zapfsäule Einzug hält, wenigstens Zigarettenautomaten angebracht werden dürfen. Die ganze Branche blickt dem Ergebnis gespannt entgegen …