... die "Preis-Hochschaubahn"

Die Preispolitik der Zigarettenindustrie zwischen zaghaften Erhöhungen und Rückziehern ist den meisten Trafikanten zuwider. Manche fürchten um die Existenz.

Bodenlose Frechheit oder eine Chance? Die an eine Hochschaubahn erinnernde Preispolitik der Zigarettenindustrie, die zaghaften Preissteigerungen nach Erhöhungen der Tabaksteuer fast regelmäßig saftige Rückzieher folgen lässt, erregt auch die Gemüter der Trafikanten.

„Wir Kleinen werden nie gefragt!“ Der Kategorie der Empörten fühlt sich die Wiener Trafikantin Eva Farkas aus dem 15. Gemeindebezirk zugehörig: „Es ist eine bodenlose Frechheit, wie die Industrie stets über unsere Köpfe hinweg entscheidet. Wir Kleinen werden nie gefragt!“ Vielleicht wäre es einer Mehrheit der Trafikanten ja im Sinne der Kunden auch recht, die Preise niedrig zu halten; eine solche Mehrheit könne sie akzeptieren, gibt sich Farkas gesprächsbereit. Dass aber ohne jede Rücksprache immer wieder Kehrtwendungen um 180 Grad erfolgen, stößt ihr sauer auf, umso mehr, als die Handelsspanne im Gegensatz zu den Lebenshaltungskosten nicht steigt. „Manchmal kommt mir vor, dass die Industrie kleine Trafikanten vernichten will“, ist die Wienerin enttäuscht. Der Solidaritätsfonds sei kurz vor dem Auslaufen, große Rücklagen zu bilden sei vielen Trafikanten unmöglich – auf der anderen Seite hätten die Konzerne genug Geld, statt an einem Strang zu ziehen, bekämpften sie lieber einander auf dem Rücken der Trafikanten. „Die großen Industrieunternehmen scheinen vergessen zu haben, womit sie spielen, nämlich mit Menschen und deren Existenzen!“

„Ärgernis für Trafikanten und Kunden!“ Ein vernichtendes Zeugnis stellt auch der Wiener Trafikant Thomas Bestereimer aus Wien 12 den Konzernen aus: „Ihre Aktionen sind für uns und die Kunden ein Ärgernis. Wir haben ständig die Arbeit mit den Preisumstellungen, was zu Fehlern und einem Durcheinander führen kann. Und Kunden fühlen sich gepflanzt, wenn es zuerst mit dem Preis hinauf- und wenig später wieder fünf Cent hinuntergeht!“ Zudem sei die Handelsspanne bereits inakzeptabel: „Mieten und Löhne für unsere tüchtigen Mitarbeiter steigen, dazu kommt ein Sparpaket – das macht es für uns und die Konsumenten immer schwerer!“ Dabei sollte es die Pflicht der Industrie sein, ihren Partner, den Trafikanten, am Leben zu halten – „oder will man uns absichtlich ausbluten lassen?“ Bestereimer appelliert an seine Kollegen, ihre Macht auszunützen: „Da Werbung verboten ist, sind wir oft die letzten verbliebenen Werbeträger. Verbannen wir doch die Produkte der ärgsten Sünder aus unseren Automaten und Regalen und bewerben wir stattdessen die Zigaretten der Konkurrenz!“

„Viele Änderungen beenden Diskussionen!“ Ein anderer Wiener Trafikant – Name der Redaktion bekannt – sieht im Preis-Zickzack sogar eine Chance: „Auch andere Produkte wie Benzin, Bier oder Mehl sind steten Preisschwankungen unterworfen, doch niemand regt sich mehr darüber auf. Das wird auch bei Zigaretten passieren, wenn es so weitergeht!" Dafür spreche, dass Preisänderungen bei Zigaretten fast die einzigen seien, die den Medien noch eine Meldung wert sind.