Am 12. Juli 2012 fand eine seit Monaten festgesetzte „außerordentliche Delegiertenversammlung“ der Wohlfahrtseinrichtung der Österreichischen Tabaktrafikanten (WE) statt. Hauptthema waren nach einem Verlust 2011 das Budget und der Fortschritt auf dem Weg der Sanierung.

Mitten in der Sitzung stellte Frau Angelika Riccabona den Antrag auf Neuwahl des WE-Vorstandes. Das sind Peter Trinkl (Obmann), Gabriele Karanz (Stellvertreterin), Elisabeth Reinthaler (Schriftführerin) und Andreas Schiefer (Kassier). Der Antrag trug insgesamt 15 Unterschriften.


„Es tut verdammt weh“

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich schreibe Ihnen diesen sehr persönlichen Brief. Denn ich habe geglaubt, in meinem Leben schon alles erlebt zu haben. Viele schöne Dinge, aber auch Verluste, Krankheit, Katastrophen. Voriges Jahr, als ich Krebs bekam, dachte ich, dies ist also die Spitze! Dass es noch schlimmer kommen kann, hätte ich mir nie erwartet!
Wir haben vor ca. zehn Jahren Herrn Prirschl und Herrn Schiefer „an die Hand“ genommen – sie waren damals sehr engagiert – und haben ihnen die Möglichkeit geboten, aus ihrem Leben mehr zu machen. Einführen in die Materie der Trafikanten, den Geschäftspartnern bekannt machen, Bühnen bieten, mit Aufgaben betrauen, damit sie sich profilieren können, ganz eng zusammenarbeiten – dies hat sehr viele Jahre bestens funktioniert.
So sind sie Anwärter für Spitzenfunktionen für die Trafikanten geworden! Wir haben die Zeiten miterlebt und uns gefreut, Mentor für die sein zu können. Es folgten dann noch Frau Riccabona, Herr Schwarzenbohler, Herr Mick, Frau Reinthaler und andere. Wir haben im Bund, dem Land NÖ und der WE sehr gut zusammengearbeitet. Aber wie es halt leider manchmal ist, wenn jemand „Blut leckt“ und es nicht schnell genug geht, Positionen übernehmen zu können, werden Überlegungen angestellt, früher an die Macht zu kommen. Dies geht am besten, wenn man die „Alten“ – Peter Trinkl und mich – stürzt! In Land und Bund hatten sie nicht sehr viel Angriffsfläche, denn sie haben selbst miterlebt, dass wir Tag und Nacht für die Trafikanten da sind. Und somit ist die WE zum Spielfeld geworden. Hier sind uns leider einige Fehler passiert.

Hier sind uns einige Fehler passiert
Unsere Schuld war, und zwar des gesamten Vorstandes, diese Fehler zu spät bemerkt zu haben. Und so ist die WE ins Minus gerutscht. Zumal auch beim Verkauf der Rauchringe falsch kalkuliert wurde. So wurden z. B. die Transportkosten nicht berücksichtigt. Allein aus diesem Geschäft entstand ein Schaden von 280.000 Euro. Dieses Geld ist zwar indirekt wieder an die Trafikanten geflossen, jedoch ist das Minus in der WE größer geworden.
Diese Fehler unsererseits haben obengenannte Kollegen zum Anlass genommen, vorigen Donnerstag beim ao. Delegiertentag der WE einen Neuwahlantrag zu stellen, uns unseres Amtes zu beheben. Die WE ist der erste Schritt, das Bundesgremium soll folgen!

Es kam schon im Dezember zum Eklat
Josef Prirschl (Lottobeauftragter) hatte die Aufgabe, bei den Österreichischen Lotterien über ein verlängertes Zahlungsziel für alle Kollegen zu verhandeln. Zwei Jahre lang ist er ohne Ergebnis nach Hause gekommen. Bis es ihm in der Dezember-Sitzung herausgerutscht ist, dass es Schwachsinn wäre, jetzt für ein verlängertes Zahlungsziel für die Trafikanten zu kämpfen, weil es jene, die jetzt schon finanzielle Schwierigkeiten haben, ohnehin nicht retten würde.

Ich habe ihn klargemacht, dass wir dazu gewählt sind, die Trafikanten bestmöglich zu vertreten, besonders diejenigen, denen es finanziell schlecht geht, und warum er jahrelang offiziell kein Wort dagegen gesagt habe. Die Antwort war: „Weil ich sowieso nie daran geglaubt habe, dass ihr das erreicht!“
Sie alle, liebe Kolleginnen und Kollegen, wissen ja, dass wir es trotzdem geschafft haben, für Die Ihr Zahlungsziel nach hinten zu verlegen. Dies ist eben unsere Auffassung, Trafikanten zu vertreten.

Was wollen wir?
Wir wollen die WE wieder auf gesunde Beine stellen, unsere Fehler selber ausbessern, um dann – in drei Jahren – die WE an eine geordnete Nachfolge übergeben zu können. Schon 2013 ist die WE wieder in den positiven Zahlen. In drei Jahren müssen Peter Trinkl und ich ohnehin alle Ämter zurücklegen, so sagt es das Kammergesetz – dann ist die Zeit wirklich gekommen.
Wir hätten es uns ganz leicht machen und die WE mit dem Minus weitergeben können, jedoch wäre es für uns die größte Gemeinheit, die Verantwortung einfach abzuschieben. Ja, wir haben Fehler gemacht, und wir stehen dazu, auch der WE-Großhandel gehört leider dazu.
Hätten unsere drei Schützlinge nicht noch diese drei Jahre warten können??? Es tut verdammt weh, von Menschen, denen man jahrelang bis zum Schluss vertraut hat, ohne Vorwarnung das Messer ins Kreuz zu bekommen!

Ihre

KommR Gabriele Karanz eh


Zu früh gefreut

Lügen, Halbwahrheiten, Irrtümer
In einer Internetzeitung erschien vor Kurzem ein Artikel, der für Aufregung sorgt. Es ist darin die Rede davon, dass meine Stellvertreterin KR Gabriele Karanz und ich abgewählt werden. Es werden Protokolle zitiert, die über interne Vorstandssitzungen berichten. Über die Entlastung des Vorstandes wurde gar nicht abgestimmt, weil kurz vor der Abstimmung ein Antrag zur Durchführung eines außerordentlichen Delegiertentages mit Neuwahlen übergeben wurde. Worauf ich den noch offenen, wie auch die anschließenden Tagesordnungspunkte vertagt habe. Komisch wäre es ja, dass die Vorstandsmitglieder Elisabeth Reinthaler und Andreas Schiefer gegen sich gestimmt hätten. Na ja, vielleicht hat man nicht so weit gedacht.
Noch eine Bemerkung dazu: Herr Schiefer ist Kassier, hat also Einsicht in alle Konten, war angeblich nicht informiert, hat aber in den Vorstandssitzungen gemeinsam mit Frau Reinthaler zugestimmt. Fast alle Beschlüsse waren einstimmig. Noch eine Bemerkung zur sogenannten Abwahl: Für mich stellt sich die mathematische Frage, ob 15 Stimmen die Mehrheit von 32 sind.

Nun zu den Fakten, den sogenannten Fällen:

Fall Nummer eins:


Behauptet wird:
dass Herr Dorfinger, Sohn der Frau Karanz, nicht qualifiziert war, als Kommunikationsmanager zu arbeiten, und daher überbezahlt war. Weiters wird seine Arbeit mit „auf die Kappe gehen“ abqualifiziert.

Richtig ist:
Bei einer Arbeitssitzung der Delegierten wurde festgestellt, dass die WE ein neues Image (Auftritt, Logo, Katalog etc.) benötigt. Aufgrund dieser Aufgabenstellung hat sich M. Dorfinger beworben. Die Aufnahme als Mitarbeiter in die WE wurde vom Vorstand samt Qualifizierung, Gehaltshöhe einstimmig genehmigt. Seine Arbeit wurde anlässlich der 90-Jahr-Feier auch von den anwesenden Trafikanten und Funktionären ausdrücklich gelobt. Auch der Übertritt in die Selbstständigkeit und das damit verbundene Pauschalhonorar wurden vom Vorstand einstimmig beschlossen. Das Ergebnis der Tätigkeit sehen sie laufend im Filterlos, in unseren Katalogen, Drucksachen, Beschwerdemanagement, Firmenleitbild etc. Laut Auskunft der Prüfer liegen die Leistungen im Vertrag unter den Marktpreisen.

Fall Nummer zwei:

Behauptet wird:
Die Gründung der OMS sei durch die WE mit 300.000 Euro vorfinanziert worden und es sei fraglich, ob dieses Geld je zurückgeflossen sei.

Richtig ist:
An OMS wurde kein Kredit vergeben. Es wurden im Jahr 2009 einige Projekte mitfinanziert und dieses Geld ist samt Zinsen vollständig rückgeflossen.

Fall Nummer drei:

Behauptet wird:
Ich hätte den Vertrag für die Branchenkampagne „Österreich, wir machen das“  ohne Finanzierungszusicherung der Tabakindustrie abgeschlossen, die Agentur Rosam sei die teuerste in Österreich, die Gegenleistung von Rosam sei nicht ausreichend gewesen, und die Bezahlung der Rechnung der Agentur Rosam sei erst nach einer Klage erfolgt. Des Weiteren soll auch die Agentur Headquarter, die den Zuschlag nicht erhalten hat, klagen.

Richtig ist:
Redakteur Spreitzer, der den Artikel verfasst hat, wird sich mit der Agentur Rosam über die Bewertung der Leistung auseinandersetzen müssen. Die Agentur wurde von der Tabakindustrie ausgewählt. Dass es durch Unstimmigkeiten innerhalb der Zigarettenindustrie zu einem Zahlungsstopp an die WE kam, stimmt. Eine Klage der Agentur Rosam liegt jedoch nicht vor. Über die noch offenen 100.000 Euro gibt es laufende Verhandlungen. Da eine Zahlung jedoch nicht zu 100 Prozent sicher ist, wurde in der Bilanz 2011 vorsorglich dieser Betrag als Rückstellung ausgewiesen.

Zu Headuarter: Auch die Zuziehung dieser Agentur zum Pitch ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Dass Headquarter nicht gewonnen hat, haben die Leiterin der Monopolverwaltung, Frau DI Tina Reisenbichler, die die Arbeitsgruppe „Österreich, wir machen das“ geleitet hat, und ich der Agentur mitgeteilt. Nach einem Eigentümerwechsel hat das neue Unternehmen jedoch eine Rechnung an die WE gerichtet. Hierzu gibt es noch Verhandlungen der Anwälte. Auch diese Summer von 54.000 Euro wurde vorsorglich in der Bilanz ausgewiesen. Auf die politischen Rundumschläge des Redakteurs will ich nicht näher eingehen.

Fall Nummer vier:

Behauptet wird:
tobaccoland habe der WE 2.000.000 Euro geliehen, und dieses Geld könne nicht zeitgerecht zurückgezahlt werden.

Richtig ist:
Auch hier irrt der Redakteur, es ist eben schwer, ohne Information der Betroffenen einen Artikel zu schreiben. Ob sich tobaccoland diese Rufschädigung, jeden Cent zu brauchen, gefallen lässt, wird Herr Spreitzer ja bald merken. Kreditgeber ist aber JTI/ Austria Tabak, und die Gelder sind als zinsfreie Kredite für Tabakeinrichtungen an die Trafikanten geflossen. Nach Ablauf der Kredite wird der Betrag an den Geldgeber zurückfließen.

Wer zahlt’s?

Behauptet wird:
Die WE krache angeblich an allen Ecken und Enden. Die Bundesländer-Geschäftsstellen müssten geradestehen.

Richtig ist:
Fast alle Leistungen, die die Mitglieder von der WE erhalten haben und erhalten, werden von der Bundes-WE finanziert. Dieser Leistungskatalog wird auch in Zukunft in vollem Umfang aufrechterhalten. Da die WE eine Einheit ist, ist es schon vom Gesetz her geregelt, dass das Vermögen in einer Summe auszuweisen ist. Aber auch die Geschäftsstellen werden ihre Leistungen auch in Zukunft erbringen können.

Der mögliche Sprengstoff

Behauptet wird:
Trinkl und Karanz sind Geschichte, sie hätten die moralische Verpflichtung, „den Hut zu nehmen“.

Richtig ist:
Geschichte ist es erst dann, wenn es abgeschlossen ist. Moralisch ist es, eigene Fehler zu erkennen und auszubessern. Verantwortung ist, erst dann zu gehen, wenn geeignete Nachfolger bereitstehen.

Zur Moral: Die WE weist deshalb ein solch schlechtes Jahresergebnis aus, weil für alle eventualen Fälle Vorsorge getroffen wurde. Weil ein Mitarbeiter fristlos entlassen wurde, der nachweislich auch noch einen Schaden von 280.000 Euro verursacht hat. Weil der gesamte Vorstand zu spät in das operative Geschäft eingegriffen hat.

Die Wirtschaftsprüfer haben eindeutig festgestellt, dass der Vorstand, also auch ich, jeweils statutenkonform gehandelt hat. Die nach den Statuten erforderlichen Beschlüsse liegen vor.

 

Wieder aufwärts geht es, weil es für die Jahre 2013 und 2014 Budgets gibt, die positive Zahlen aufweisen. Diese Budgets werden von den Wirtschaftsprüfern auf Plausibilität geprüft.
Wieder aufwärts geht es, wenn alle an einem Strang ziehen.
Schlussendlich, wieder aufwärts geht es, wenn der Herr Redakteur daran denkt, jenen Betrag bei der WE einzuzahlen, den er uns schuldet.
Dabei haben wir jetzt größere Probleme für die Trafikanten zu lösen wie Lotto, Handelsspanne, EU …

Ihr

KommR Peter Trinkl eh