Unter Protest nimmt das Bundesgremium der Tabaktrafikanten die geplante Annahmeschwemme der Österreichischen Lotterien zur Kenntnis.

Mehrere Sitzungen waren ohne Entscheidungen vergangen. Ende September konnte sich der Bundesgremialausschuss der österreichischen Tabaktrafikanten nach einer zweistündigen Sitzung jedoch zu einem einstimmigen Beschluss durchringen: Man nehme die Entscheidung der Österreichischen Lotterien zur Aufstockung des Annahmestellennetzes unter Protest zur Kenntnis, hier im offiziellen Schreiben, das man dem Verhandlungspartner Friedrich Stickler, seines Zeichens Generaldirektor Stellvertreter der Lotterien zukommen ließ. Darin heißt es wörtlich:" Weiters ist darauf hinzuweisen, dass es allen Betroffenen freigestellt wurde, die ihnen zielführend erscheinenden rechtlichen Schritte zu ergreifen."

Und das scheinen sich manche nicht zweimal sagen zu lassen: Dem Vernehmen zufolge dürften aus sechs der neun Bundesländer Klagen gegen die Lotterien eintrudeln, entweder durch das Landesgremium, einzelnen Trafikanten oder Lotto Kollektanten, die sich der Unterstützung der Gremien gewiss sein dürfen, erklärte Bundesgremialobmann Peter Trinkl auf Anfrage von Filterlos. Lediglich die drei westlichen Länder Vorarlberg, Tirol und Salzburg scheinen sich - noch? - nicht zum Gang zum Rechtsanwalt durchringen zu können.

Somit könnte die Formel lauten: 6 aus 9 (Bundesländer) sind gegen 6 aus 45 in (fast) unendlich vielen Annahmestellen. zum Zug werden ab Beginn nächsten Jahres nach dem Willen der Lotterien fast 2.000 Vertriebsstellen kommen, die bisher Brief- und Rubbellose verkauft haben und in Zukunft mit Lotto-Terminals aufgerüstet werden. Das sind vor allem Lebensmittelgeschäfte und Tankstellen - die auch längere Öffnungszeiten als Trafiken haben - und einige Postämter.

Bei so manchen Trafikanten schürt diese massive Ausweitung des Annahmestellennetzes Existenzängste - kein Wunder, machen einige von ihnen fast ein Drittel ihres Umsatzes mit dem Spielangebot der Österreichischen Lotterien. Und wohin der Trend beim eigentlichen Kerngeschäft der Trafiken, dem Rauchen, geht, erfährt jeder Interessierte beim täglichen Blick in die Schlagzeilen, egal ob es um ständig sinkende Handelsspannen, Schmuggel, Fälschungen oder neue gesetzliche Restriktionen geht. Auch die derzeit in Vorbereitung befindliche Verschärfung der Tabakproduktrichtlinie durch die EU ist nicht gerade zu angetan, die schlimmsten Befürchtungen zu zerstreuen. In ersten Stellungnahmen nach der Bundesgremialausschuss-Sitzung rechnete Trinkl mit rund 300 bis 500 Trafiken, denen die neuen Annahmestellen der Lotterien echte Existenzbedrohend zufügen könnte.

Deshalb bereitet man sich in den meisten Bundesländern bereits intensiv auf den Kampf David gegen Goliath - also kleine Trafiken gegen die Österreichischen Lotterien - vor. Niederösterreich hat bereits einen Beschluss gefasst, 25.000,00 Euro zur Unterstützung von Klagen durch Trafikanten zur Verfügung zu stellen, andere planen entweder selbst rechtliche Schritte oder wollen ebenfalls Hilfestellungen leisten - die Weichen dazu sollten an den jeweiligen Fachgruppentagen gestellt werden.

Mit Interesse wartet man auch auf die Ergebnisse von 25 Test Annahmestellen in Wien und Linz, in denen die Auswirkungen der neuen Konkurrenz auf die Trafiken genau beobachtet werden sollen. Mit Stickler selbst wollen die Trafikanten Vertreter eine gute Gesprächsbasis wahren - in dem offiziellen Schreiben ist auch dezidiert zu lesen: "Positiv aufgenommen wurde Ihr erkennbares persönliches Bemühen, in Gespräche einzutreten und die Gründe für die unternehmerische Entscheidung der ÖLG darzulegen." Allerdings könne man unter anderem nicht nachvollziehen, warum die Lotterien eine Studie über die wirtschaftliche Zweckmäßigkeit der Erweiterung, eine gemeinsame objektive Überprüfung der Verträglichkeit für die bestehenden Annahmestellen und Schutzmaßnahmen für besonders Betroffene verweigerten.