Die Flut an neuen Lotto-Annahmestellen im österreichischen Westen fordert erste Opfer in der Trafikantenschaft, vor allem in Oberösterreich. Weitere Betroffene werden gebeten, sich zu melden.

Die heftig umstrittene Erweiterung des Annahmestellennetzes der Österreichischen Lotterien mit insgesamt geplanten 1.600 zusätzlichen Terminals in ganz Österreich fordert ihre ersten Opfer in der Trafikantenschaft. Besonders aus Oberösterreich werden zum Teil dramatische Einbrüche der Umsatzzahlen durch die neue Konkurrenz gemeldet, und anhand eines prominenten Beispiels aus Salzburg steht eindeutig fest: Die Ausweitung des Vertriebsnetzes durch die Lotterien kostet in den Trafiken definitiv Arbeitsplätze.
Oberösterreich am stärksten betroffen
Am härtesten bekommen offenbar die Trafiken in Oberösterreich die „Lotto- Keule“ zu spüren. Landesgremialobmann Erwin Kerschbaummayr weiß von mehreren Betroffenen zu berichten, wobei es zwei besonders hart erwischt hat. Und diese beiden halten mit Hiobsbotschaften nicht hinterm Berg: Ein Minus von 35 bis 40 Prozent bekommt Elmar Reisinger aus St. Martin im Innkreis zu spüren, seit ihm in unmittelbarer Nähe ein Lebensmittelgeschäft dank neuem Lotto-Terminal als Konkurrenz vor die Nase gesetzt wurde. „Auch das Postamt hat das Lotto neu bekommen, aber besonders spüre ich den Supermarkt, weil der auch noch längere Öffnungszeiten hat“, klagt Reisinger im Gespräch mit Filterlos. Hätte er jetzt nicht noch neben der verbundenen Trafik, die er seit 35 Jahren führt, einen Zweitjob als Angestellter, müsste er um seine Existenz bangen. Reisinger muss dennoch hoffen, dass die neue „Lizenz zum Tippen“ im Supermarkt rückgängig gemacht wird – „sonst hat es bald einen Nahversorger namens Trafik bei uns in St. Martin gegeben!“. Nicht weniger dramatisch zeichnet ein zweiter Trafikant, der namentlich nicht genannt werden möchte, das Bild seiner Annahmestelle, seit ihm gleich zwei neue Konkurrenten im Umkreis von nur wenigen hundert Metern erwachsen sind: „Es ist einfach unglaublich, dass alle zwei Supermärkte das Lotto bekommen haben. Ich habe dadurch nicht nur beim Lotto selbst einen Umsatzverlust von 15 bis 20 Prozent, sondern verliere auch an Kundenfrequenz und dadurch bei anderen Warengruppen. Die Österreichischen Lotterien agieren als rücksichtsloser Monopolist und ruinieren – zumindest bei uns im Ort – funktionierende Strukturen!“ Was den Trafikanten besonders ärgert: „Man ist über uns drübergefahren wir hatten keine Chance, uns zu wehren!“ Jetzt hofft er einerseits, dass einer der beiden neuen Konkurrenten die geforderten Umsatzvorgaben nicht schafft und daher das Lottoterminal wieder verliert, andererseits aber auch auf Verhandlungserfolge der Landesund Bundesgremien, „die dieser Erweiterung niemals hätten zustimmen dürfen!“. Auch die Option einer Klage gegen die Lotterien sollte man weiter erwägen: „Das bringt zumindest Zeit!“


Arbeitsplatzverlust in Salzburg
Die Salzburger Landesgremialobfrau Barbara Schiller hat noch keine konkreten Zahlen, vor allem was die Jackpot-Bereinigung betrifft, musste aber selbst eine Angestellte abbauen, weil sie beim Lotto einen Umsatzrückgang um 20 bis 25 Prozent erlitten hatte. Damit kostet die Ausweitung des Vertriebsnetzes definitiv Arbeitsplätze in Trafiken. Sonst würde in ihrem Bundesland – wie in Tirol in Vorarlberg – noch an der Erhebung gesicherter Zahlen gearbeitet.

Betroffene, bitte dringend melden!
Um das ganze Ausmaß der Misere erfassen und entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können, appellieren Bundesund Landesgremien an betroffene Trafikanten, sich möglichst rasch zu melden, zumal ein Ausgleich nicht zu erwarten ist. Der Weg zur Wettbewebsbehörde kann jetzt neu beschritten werden. Die Obleute in allen Bundesländern stehen dafür gerne zur Verfügung.