Das verheerende Hochwasser von Anfang Juni hat auch vor den Trafikanten nicht Halt gemacht. In Ober- und Niederösterreich wurden große Schäden angerichtet – jetzt rollt eine Hilfewelle an: Filterlos zeigt, wo es finanzielle Unterstützung gibt.

Es ist zum Verzweifeln für die Trafikantin Elisabeth Haider aus Marbach an der Donau im niederösterreichischen Bezirk Melk: „Es ist bereits zum dritten Mal passiert, dass mein Geschäft völlig unter Wasser gesetzt wurde. Ich habe die Trafik an diesem Standort 1991 übernommen, drei Monate später war erstmals alles überschwemmt. Dann ist das Jahrhunderthochwasser 2002 gekommen und hat wieder alles zerstört, und jetzt ist es schon wieder so weit!“ Sie komme sich vor wie Sisyphus, der den Stein auch immer wieder von vorne den Berg hinaufschieben muss – und nie das Ziel erreicht. Und dennoch schaffte es die tapfere Frau nur wenige Tage nach der neuerlichen Katastrophe, wieder zuversichtlich in die Zukunft zu blicken: „Es ist vor allem die enorme Hilfsbereitschaft der Menschen, die freiwillig zupacken, die mir Trost und Kraft spendet.“ Finanziell sei es freilich eine Katastrophe: „Ich habe noch nicht einmal die Schulden des Neustarts nach dem Hochwasser von 2002 vollständig abgebaut, und jetztist wieder alles hin.“ Als Konsequenz aus den früheren Überflutungen hatte sie eine Einrichtung gewählt, die sich rasch abbauen lässt, aber dann war noch der ganze Schlamm zu entfernen und das Gebäude zu entfeuchten. An einen raschen Verkauf in den Räumen war zunächst nicht zu denken, daher hoffte Elisabeth Haider auf die Errichtung eines Notverkaufsstands, an dem sie Zigaretten und Zeitungen abieten könne – denn: „Nach der Flut haben mich die Helfer unterstützt, aber jetzt brauche ich vor allem wieder Einnahmemöglichkeiten, um weiter bestehen zu können.“ Die wichtigste langfristige Hilfe sei die Unterstützung der Kundschaft, die damit auch einen
Beitrag zur Sicherung der Kaufkraft im Ort leiste, ist sich die Trafikantin bewusst.


Verwüstung in Schärding

Im oberösterreichischen Schärding am Inn hat es Trafikant Christian Radlgruber schwer erwischt: Bei einer Raumhöhe von 2,30 Metern stand das Wasser in seinem Geschäft anderthalb Meter hoch – sowohl im Verkaufsraum als auch im Lager und im Büro. Obwohl selbst das Bundesheer beim Aufräumen half, sind die Folgen dramatisch: „Die Einrichtung ist völlig kaputt, auch den Automaten, Zeitungen, Billetts und vor allem das Kassensystem und das Lottoterminal hat es voll erwischt!“ Da er am Vortag eine Warnung bekommen hatte, dass es aufgrund der steigenden Pegelstände zu Wasserschäden kommen könnte, habe er einen Großteil der Zigaretten und andere Tabakwaren vorsorglich in den ersten Stock geräumt. Aber, so Radlgruber zu Filterlos: „Vorgewarnt hat man mich, dass zehn bis 20 Zentimeter Wasser eindringen könnten – von eineinhalb Metern war keine Rede!“ Die Trafik, die er vor gut 20 Jahren von seiner Mutter übernommen hatte, war bereits im Jahr 1954 einmal von Hochwasser schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, die Flut von 2002 war an Radlgruber glimpflich vorbeigezogen. Jetzt will der Trafikant mit einem Container die Zeit bis zum Wiederaufbau des Geschäfts überbrücken. „Wir haben hier schon alles gehabt – einen bewaffneten Überfall auf meine Mutter, Einbrüche und eine Flut. Aber jetzt stehe ich da mit mindestens 100.000 Euro Schaden, und was die Versicherung zahlt, reicht nicht einmal für die Renovierung der Elektroinstallationen aus“, hofft Radlgruber auf finanzielle Hilfe von anderen Seiten.


Hilfe von der Kammer bis zum Bund

Und diese Hilfe sei durchaus zu bekommen, macht die Expertin auf diesem Gebiet, Niederösterreichs Gremialobfrau Gabriele Karanz, den Betroffenen Mut: „Zuerst einmal schickt die Wirtschaftskammer jemanden, der den Schaden begutachtet, dann sind von dort Unterstützungen bis zu 10.000 Euro möglich. Die Versicherungen decken üblicherweise Schäden aus Naurkatastrophen nicht ab, aber auch dort sollte man alle Möglichkeiten erfragen!“
Von der Wohlfahrtseinrichtung der Tabaktrafikanten (WE) gebe es für Hochwassergeschädigte rasch und unbürokratisch bis zu 2.500 Euro Unterstützung, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Und auch der Bund habe zugesichert, dass den Opfern der Flutkatastrophe die Schäden ersetzt würden. Das hält Karanz nicht nur in Vorwahlzeiten wie diesen für eine gute Nachricht: „Was die Rückmeldungen nach dem Hochwasser von 2002 betrifft, haben wir festgestellt, dass es damals mit den Entschädigungen durch den Bund sehr gut geklappt hat.“ Sollten Trafikanten nach Ausschöpfung all der genannten Möglichkeiten noch Bedarf für eine Finanzspritze haben, gebe es zudem das Angebot eines Investitionsdarlehens von Seiten der Wohlfahrtseinrichtung. Wichtig: „Bei einem Schaden sofort an die zuständigen Landesgremialobleute wenden, die wissen Bescheid und helfen gleich weiter, damit man nichts übersieht“, informiert Karanz.

Andere Bundesländer verschont

Während in Ober- und Niederösterreich mehrere Trafikanten Opfer der Flut wurden, blieben die restlichen Bundesländer verschont, wie ein Rundruf von Filterlos zeigte. Selbst aus Tirol und Salzburg, wo es sonst schwere Schäden gab, kamen keine Horrormeldungen seitens der Trafikantenschaft – auch wenn es zeitweise knapp war, wie Salzburgs Gremialobfrau Barbara Schiller weiß: „Im Pinzgau wurde ein Hotel völlig zerstört, nur wenige Meter entfernt blieb die Trafik heil.“