„Die Flut an neuen Lottoannahmestellen trocknet Trafiken als Nahversorger aus!“ Verheerende Folgen für die Trafiklandschaft befürchtet Bundesgremialobmann Peter Trinkl, der von den Österreichischen Lotterien Bewegung einfordert.

Seit die Österreichischen Lotterien ihre Ankündigung wahr gemacht haben, mehr als 1.600 neue Lottoannahmestellen in Tankstellen, Supermärkten und Postämtern einzurichten, gärt es bei den Trafikanten im ganzen Land. Wie von Filterlos berichtet, mussten einzelne Trafikanten beim Lotto bereits Umsatzrückgänge bis zu 35 Prozent wegen der neuen Konkurrenz hinnehmen, auch Arbeitsplätze in den Trafiken gingen durch die Geschäftspolitik der Lotterien bereits nachweislich verloren. Um auch die Öffentlichkeit auf diese Misere hinzuweisen, gingen Trafikantenvertreter kürzlich in die Offensive und legten bei einer Pressekonferenz in Wien die Fakten auf den Tisch. Und die sind dramatisch genug, wie Bundesgremialobmann Peter Trinkl ausführte: „Die Trafiken als Nahversorger werden ausgetrocknet, ihre Umsätze einfach zu den großen Multis umverteilt!“ Zur Aufrechterhaltung der Nahversorgung durch die rund 5.000 heimischen Tabaktrafikanten brauche es dringend ein Umdenken der Österreichischen Lotterien bei ihren Überlegungen zur Neustrukturierung der Annahmestellen, ist sich Trinkl sicher – und fordert gleichzeitig auch bessere Rahmenbedingungen ein.

„Handelsspanne und Zahlungsziel“

Diese Rahmenbedingungen betreffen vor allem eine Erhöhung der Handelsspanne für Trafikanten beim Glücksspiel, damit die angesichts der neuen Konkurrenz stark sinkenden Umsätze aus Lotto, Toto und Co. die Kosten für die Trafikanten decken könnten. Zudem fordert der Bundesgremialobmann eine Verlängerung des Zahlungsziels ein, damit die Liquidität der Trafiken erhalten bleiben könne. Dass durch die Flut an neuen Lottoannahmestellen natürlich das Stück am Gesamtkuchen für die langjährigen, bewährten Partner entsprechend kleiner werde, sieht Trinkl auch als „Foul“ an vielen Ländern, Städten und Gemeinden, die mit viel Engagement versuchen, die Strukturen der Nahversorgung aufrechtzuerhalten.

Vor allem im ländlichen Raum fürchte man einen Kahlschlag in der Trafiklandschaft – was vielerorts den Todesstoß für die Nahversorgung bedeuten würde, die in Sonntagsreden und Lippenbekenntnissen immer wieder als so wichtig dargestellt werde.

„Im Regen stehen gelassen“

„Wir Trafikanten haben das Lottogeschäft in Österreich mit aufgebaut, jetzt haben wir offenbar unsere Schuldigkeit getan und fühlen uns von unserem Vertragspartner im Regen stehen gelassen“, konnte die niederösterreichische Gremialobfrau und Bundesgremialobmann-Stellvertreterin Gabriele Karanz ihren Unmut über die Geschäftspraktiken der Österreichischen Lotterien bei der Pressekonferenz nicht verbergen. Ihr burgenländischer Amtskollege

Hannes Dragschitz ergänzte: „Besonders Trafikanten mit Standorten in Grenznähe, vor allem zu Ungarn und Slowenien, die ohnehin schon durch den legalen und illegalen Grenzverkehr bei Zigaretten leiden, sind durch diese Vorgangsweisen der Lotterien massiv betroffen und gefährdet!“ Trafikant Thorsten Mayer aus Korneuburg warnt vor allem vor den aktuellen Neueröffnungen von Lottoannahmestellen im nördlichen Wiener Umland, wie etwa im Gerasdorfer Einkaufszentrum G3: „Dadurch werden von der tschechischen Grenze bis nach Wien Umsätze abgesaugt. Für mich ist diese neue Situation existenzbedrohend. Als Behinderter habe ich auf dem Arbeitsmarkt sonst keinerlei Chancen. Und ganze Landstriche werden ohne Nahversorgung zurückbleiben!“

„Können Kritik nicht nachvollziehen!“

Von Filterlos zu diesen Aussagen befragt, konnte der stellvertretende Generaldirektor der Österreichischen Lotterien, Friedrich Stickler, die Aufregung nicht ganz verstehen: „Das G3 hat von uns einmal einen Sechsmonatsvertrag bekommen, wir schauen uns die Entwicklung an. Das Einzugsgebiet dieses Einkaufszentrums ist aber so groß, dass ich nicht glaube, dass es die Trafikanten der Umgebung dramatisch zu spüren bekommen!“ Daher könne er auch die kolportierte Zahl von 20 bis 30 gefährdeten Trafiken nicht nachvollziehen: „Das wäre ja nur der Fall, wenn das Einzugsgebiet deutlich enger gefasst wäre. Die Leute fahren ja weitere Strecken für Großeinkäufe oder spezielle Waren, nicht zum Lottospielen!“ Zudem sieht Stickler vor allem eine Verpflichtung der Österreichischen Lotterien – und zwar dem Kunden gegenüber: „Er ist klar unsere Nummer eins, wir sind ein Dienstleistungsunternehmen und müssen ihm so gut wie möglich entgegenkommen!“ Daher vergebe man Lotto- Verträge an attraktive Standorte mit verlockenden Öffnungszeiten und ausreichend Parkplätzen. Dem Vorwurf, die Lotterien betrieben Umverteilung von unten nach oben, weil statt des Nahversorgers Trafik der Multi Tankstelle oder Supermarkt bevorzugt werde, begegnete Stickler so: „Wir denken an unsere Kunden, nicht an Einkommensströme und deren Verteilung!“ Zudem sei auch die Situation vieler Tankstellen alles andere als rosig und immer mehr von ihnen entwickelten sich zu Nahversorgern mit breitem Sortiment inklusive Lebensmittel und Rauchwaren. Und: „Wir haben Tankstellen, Postämter und Supermärkte nur mit den Miniterminals ausgestattet, die Zahl der Trafikanten mit vollem Angebot aber gleichzeitig von 1.300 auf 1.600 erhöht!“