Eine Finanzspritze für ausstiegsbereite Trafikanten mit schwachen Tabakumsätzen soll der Strukturfonds bieten, der seit heuer den einstigen Solidaritätsfonds ersetzt. Die Liste für eine solche Hilfe umfasst in Österreich rund 250 Trafiken.

 

Monatelang hatte man sich durch Umsatzzahlen gequält und dabei den Kontakt mit den Gremialobleuten in allen Bundesländern gesucht – jetzt wisse man, von welchen Dimensionen die Rede sei, erklärte die Geschäftsführerin der österreichischen Tabakmonopolverwaltung, Tina Reisenbichler, auf Anfrage von Filterlos. In ganz Österreich weisen derzeit rund 250 Trafiken Tabakumsätze unter 400.000 Euro pro Jahr auf, was als Grenze für eine mögliche Finanzspritze aus dem Strukturfonds bei einer Schließung des Geschäftes gilt. Mit Abstand die meisten betroffenen Trafiken stehen übrigens in der Steiermark – allein dort sind es beinahe 100. Wer auf dem zweiten Platz dieser „Rangliste“ das ebenfalls durch die nahe Grenze zu Slowenien betroffene Kärnten erwartet, wird überrascht sein: „Dort sind es vergleichsweise deutlich weniger, nämlich rund 25 bis 30 Trafiken“, weiß Reisenbichler. Grund: Im südlichsten österreichischen Bundesland habe man die Trafikenlandschaft bereits weitgehend bereinigt, so daß nicht mehr so viele Geschäfte unter die magische Umsatzgrenze bei Tabakprodukten sinken würden. Auch im Burgenland gebe es weit weniger Betroffene als befürchtet, dort scheint das System der Haustrafiken besser zu funktionieren als vielfach angenommen. Der Rest der gefährdeten Trafiken mit Anspruch auf Unterstützung aus dem Strukturfonds bei einer Schließung des Verkaufslokals verteilt sich fast ausschließlich auf Niederösterreich und Wien. Die westlichen Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Oberösterreich sind nur wenig bis gar nicht betroffen.

„Gehen nur auf Extremfälle aktiv zu“

Aktiv zugehen wolle man seitens der Monopolverwaltung gemeinsam mit den Landesgremien nur auf die extremsten Härtefälle, beschrieb Reisenbichler die geplante weitere Vorgangsweise. „Sonst warten wir, ob die Trafikanten von sich aus einen Antrag stellen.“ Die Monopol-Geschäftsführerin erwartet, dass rund 150 Trafikanten in ganz Österreich das winkende Geld aus dem Strukturfonds zum Anlass nehmen werden, um ihre Rollbalken für immer hinunter zu lassen. „Das schafft für andere Trafiken, die derzeit ebenfalls große Schwierigkeiten haben, ja die Chance von Verbesserungen. Wenn etwa von drei Trafiken in unmittelbarer Nachbarschaft eine zusperrt, könnte sich der bisherige Umsatz dieser geschlossenen Trafik auf die beiden anderen Geschäfte verteilen, sodass diese dann deutlich besser zurechtkommen“, hofft Reisenbichler. Für jene Trafikanten, bei denen die Lage zwar keinesfalls rosig, aber auch nicht so dramatisch sei, seien die nunmehr flächendeckend fürs gesamte Bundesgebiet vorliegenden Daten eine enorme Erleichterung: „Wenn von diesen jemand anruft, können wir ihnen gleich sagen, ob sie für Hilfe aus dem Strukturfonds infrage kommen“, erläutert Reisenbichler. In manchen Fällen gelte es auch abzuwarten, inwieweit sich bereits durchgeführte oder angekündigte Preiserhöhungen in den billigen Nachbarländern auf die Umsätze in den österreichischen Grenzregionen auswirken.

Silberstreif am Horizont?

Und da sieht Bundesgremialobmann Peter Trinkl auf Basis der von der Monopolverwaltung übermittelten Umsatzzahlen bereits einen Silberstreif am Horizont: „In Kärnten sind die Tabakumsatzzahlen in den Trafiken im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 4,46 Prozent angestiegen, in der Steiermark sogar um 5,07 Prozent!“ Diese Steigerungen könnten nicht allein auf die Erhöhung der Mehrwertsteuer in Slowenien zurückgeführt werden. Es sei zu erwarten, dass es aufgrund der jüngst durchgeführten Angebotsverknappung und einer für Herbst erwarteten Preissteigerung in Ungarn nochmals zu einer Steigerung der Tabakumsätze vor allem im Burgenland kommen werde, hofft der Bundesgremialobmann auf Rückenwind für rot-weiß-rote Trafiken.

Appell an Eigenverantwortung

Der steirische Landesgremialobmann Alois Kögl, der dem Strukturfonds betont skeptisch gegenübersteht, appellierte auf Anfrage von Filterlos an die Eigenverantwortung jedes einzelnen Trafikanten: „Es muss jeder selbst beurteilen können, ob er mit den Einnahmen das Auskommen finden kann oder nicht. Vor allem jüngeren Betroffenen würde ich zur Annahme einer Hilfe aus dem Strukturfonds raten, wenn die Alternative so ausschaut, dass sie sich in Schulden stürzen, aus denen sie vielleicht nie wieder herauskommen!“ Aus der Erhöhung der Mehrwertsteuer in Slowenien liest der steirische Landesobmann noch keine Garantie für eine Besserung in seinem Bundesland heraus: „Es ist immer noch so, dass beispielsweise eine Stange Memphis bei unseren südlichen Nachbarn um neun Euro billiger ist als bei uns. Vier Stangen darf jeder Kunde legal bei einem Grenzübertritt mitnehmen, was heißt, dass dann eine Stange schon gratis ist. Und dagegen ist schwer anzukämpfen!“ Dennoch unterstreicht Kögl neuerlich seine Forderung, in Österreich so viele Trafikstandorte wie möglich zu erhalten, auch wenn sich die Umsätze unter der magischen Umsatzgrenze bewegten: „Das gewährleistet die Nahversorgung der Bevölkerung ebenso wie die Vielfalt der angebotenen Produkte in den Regionen. Und gerade die Trafik spielt auch als sozialer Faktor eine wesentliche Rolle!“ Kögl erneuert auch seinen Wunsch, die Verteilung des Wirtschaftsnutzens zu überdenken: „Höhere Provisionen für die kleinen Einkommen, weniger Provisionen für Großverdiener – auch darüber sollten wir reden!“