Zwei Arbeitsgruppen, von denen sich eine mit akuten Härtefällen unter den Trafikanten und die andere mit möglichen Maßnahmen gegen großflächige Umsatzrückgänge beschäftigt, sind das Ergebnis des großen „Lotterien-Gipfels“.

 

Mit allem, was in der Trafikantenvertretung Rang und Namen hat, war die Trafikanten-Delegation am 5. September ins große Gipfeltreffen mit den Österreichischen Lotterien gegangen. Schließlich war das Thema ernst genug: Es ging um mögliche Maßnahmen gegen die beträchtlichen Umsatzrückgänge durch die Installierung von mehr als 1.600 neuen Lotto-Annahmestellen im gesamten Bundesgebiet. Ein Rückschlag, den die ohnehin durch Repressalien beim Tabakverkauf sowie Schmugel und Fälschungen schon hart geprüfte Trafikantenschaft hinnehmen muss. Vor allem Tankstellen, Postämter und Supermärkte wurden von den Österreichischen Lotterien mit den begehrten Terminals ausgestattet – seither ist in so mancher Trafik Feuer am Dach und Ebbe in der Kassa.

Wer auf ein rasches Einlenken oder zumindest Ideen für Sofortmaßnahmen zur Linderung des Problems für die Trafikanten gehofft hatte, wurde jedoch bitter enttäuscht. Aber immerhin einigte man sich darauf, zwei Arbeitsgruppen einzusetzen, die für die beiden Hauptproblemzonen Lösungen erarbeiten sollen. Die erste, in der seitens der Trafikanten der burgenländische Gremialobmann Hannes Dragschitz, seine niederösterreichische Amtskollegin Gabriele Karanz und deren Landsmann Josef Prirschl vertreten sein werden, soll gemeinsam mit Vertretern der Lotterien Maßnahmen gegen die flächendeckende „Austrocknung“ des Lotto-Umsatzes für die Trafikanten durch die neue Konkurrenz ausarbeiten. Die zweite Gruppe soll Strategien zur Abfederung von Härtefällen unter den Trafikanten finden. Da es sich dabei oft um sehr spezielle Schicksale und Sachverhalte handelt, sind die Landesgremien in dieser Arbeitsgruppe am Zug, berichtete Bundesgremialobmann Peter Trinkl, der die Trafikanten-Delegation auch beim Gipfeltreffen mit den Österreichischen Lotterien angeführt hatte. Wie wichtig das Thema im gesamten Bundesgebiet ist, zeigte die Tatsache, dass acht von neun

Landesgremialobleuten nach Wien gekommen waren: Der Wiener Peter Ruschka war ebenso an Bord wie Gabriele Karanz (Niederösterreich), Erwin Kerschbaummayr (Oberösterreich), Barbara Schiller (Salzburg), Angelika Riccabona (Tirol), Harald Pichler (Kärnten), Alois Kögl (Steiermark) und Hannes Dragschitz (Burgenland). Lediglich die Vorarlberger Gremialobfrau Ursula Uecker war

 verhindert. Auch die Geschäftsführer der Trafikanten in der Wirtschaftskammer waren von Bundesgeschäftsführer Otmar Körner bis in die Länder in großer Zahl vertreten. Ihnen gegenüber saß am Verhandlungstisch eine ebenfalls zahlenmäßig große Gruppe der Österreichischen Lotterien, die vom stellvertretenden Generaldirektor Friedrich Stickler, dem „Vater“ der Ausweitung des Annahmestellennetzes, Reinhard Horvath, und Marketing-Experten Peter Ulovec angeführt wurde.

Die beiden Arbeitsgruppen werden sofort aktiv, als Koordinatoren werden Körner auf Seiten der Trafikanten und Horvath für die Österreichischen Lotterien agieren.

Dass es durch die flutartige Erweiterung des Lotterien- Annahmestellennetzes in den Trafiken zu deutlichen Umsatzeinbrüchen gekommen ist, belegte Gabriele Karanz mit aktuellen Zahlen. Dabei zeigte sich: Je länger die neuen Konkurrenten bereits am Markt sind, desto deutlicher ist das Minus in den Kassen der Trafikanten. Einzige Ausnahme ist das Bundesland Salzburg, das eines der ersten betroffenen Länder war, jedoch bei den Umsatzrückgängen halbwegs ungeschoren davonkam. Die Statistik in der Reihenfolge des Zeitpunkts, in der die neue Konkurrenz in Tankstellen, Postämtern und Supermärkten mit den Lotto-Terminals ausgestattet wurde: Oberösterreich minus 5,85 Prozent, Salzburg minus 1,5 Prozent, Tirol minus 6,5 Prozent, Vorarlberg gar minus 7,1 Prozent, Wien minus

2,9 Prozent, Kärnten minus 4,5 Prozent, Steiermark minus 1 Prozent, Burgenland minus 2 Prozent und Niederösterreich minus 3,3 Prozent. Die Tendenz lässt erwarten, dass die Bilanz in wenigen Monaten vor allem bei den letztgenannten Bundesländern noch deutlich trister aussehen wird, befürchtet Trinkl.

„In Gesprächen nichts ausschließen“

Für die weiteren Gespräche in den Arbeitsgruppen hat Trinkl eine klare Devise ausgegeben: „Alles Denkmögliche muss verhandelt werden, nichts darf von Vornherein ausgeschlossen werden!“ Damit entgegnet er dem Vorschlag der Lotterien, bloß eine Aufwertung der Trafiken zu „Premium-

Annahmestellen“ mit besonders geschultem Personal für möglich zu halten. Man müsse auch über finanzielle Dinge reden, bekräftigte der Bundesgremialobmann, der erste Zwischenergebnisse für den Oktober erhofft. Bis dahin würde hoffentlich auch das vorliegende Zahlenmaterial deutlich schärfer sein, zeigte sich Trinkl optimistisch. Dass die Trafikanten in Sachen Beratung und Wissen im Zusammenhang mit den Spielen der Österreichischen Lotterien der neuen Konkurrenz ohnehin jetzt schon turmhoch überlegen sind, weiß der Kärntner Landesgremialobmann Harald Pichler. Ihm sind Aussagen von Kunden zugetragen worden, die wieder reumütig ihre Scheine in der Trafik abgeben, weil sie auf jegliche Fragen in der Tankstelle ein ahnungsloses Achselzucken des dortigen

Personals geerntet hätten. Der streitbare Kärntner sieht aber nicht nur im Imageverlust

durch das unkundige Personal einen Schaden für die Lotterien. Er bezeichnet die Offensive der Annahmestellenerweiterung schon jetzt als „im Ergebnis gescheitert“.

Selbst die höheren Erträge durch die Umschichtung der Umsätze von Trafiken mit höheren Spannen zu den neuen Annahmestellen mit ihren deutlich geringeren Margen könnten den Ertragsverlust der Lotterien nicht wettmachen – durch die höheren Kosten der zumeist unwirtschaftlichen neuen Annahmestellen. Dazu komme noch der nicht notwendig gewesene Vertrauensbruch mit den bisherigen Partnern und der Erklärungsbedarf in Richtung Finanzministerium wegen der in Aussicht gestellten, in der Praxis jedoch ausbleibenden Mehrerträge. Nach einer Phase der Fassungslosigkeit und Wut über den Vertrauensbruch ist nun Realismus angesagt. Eine gehörige Portion Kreativität wird nötig sein, dass unser Berufsstand nicht unter die Räder kommt. Die Ärmel der Trafikantenvertreter sind aufgekrempelt.