Feuer & Rausch

Neues Format, neue Technik, alte, nach wie vor ungelöste Fragen: Der Fachgruppentag Niederösterreich spiegelte die österreichische Branchensituation auf teils unterhaltsame Weise wider.

Am Anfang des niederösterreichischen Fachgruppentags, der diesmal am Samstag, dem 9. April 2016, wieder im bewährten Rahmen des Stockerauer Z2000-Centers abgehalten wurde, standen wie üblich eine gut  besuchte Fachmesse und gute drei Stunden zwangloses Plaudern unter Kollegen. Schließlich eröffnete Bundesgremialobmann Josef Prirschl mit knapp zehn Minuten Verspätung den offiziellen Teil und versprach ein ebenso straff gespanntes wie dichtes Programm im neuen Format – ein Versprechen, das letztlich auf den Punkt eingehalten wurde.

Überlebensfrage Wirtschaftlichkeit
Das ominöse Motto dieser Tabaktrafikantenveranstaltung – „Die Zukunft der Trafikanten“ – blieb unüberhörbares Leitthema des Nachmittags und Abends. Die derzeitige Branchensituation beschrieb Prirschl als durchwachsen: Wirtschaftlichkeit sei das Gebot Nummer eins. DieAnzahl der Trafiken müsse nach einer Phase der Reduktion nun stabil bleiben, die Geschäftslage ließe an allen Seiten jedoch starken Verbesserungsbedarf erkennen: Lotto, Zeitungen, Zigaretten – alles schwierige Fronten. Hier müsse man sich in Zukunft verstärkt der Erschließung neuer Geschäftsfelder widmen, bestehende „Klassiker“ bedürfen nun verstärkter Mitarbeit seitens der produzierenden Industrie. Ihre Vertreter lud der Obmann im Hauptteil der Veranstaltung schließlich auf den „heißen Stuhl“, um sie von Neo- Moderator Martin Lammerhuber und dem Publikum mit heißen Fragen unter (virtuell) tickender Stoppuhr genüsslich,
aber fair rösten zu lassen. Zunächst hatten – nach knapp gehaltenen Einleitungsworten von Wirtschaftskammerchefin Sonja Zwazl – Hannes Hofer von der Monopolverwaltung das Wort und die versammelten Trafikanten die Wahl per Abstimmungs- Remotes (siehe Bild links oben). Hofer umriss kurz die Funktion und Verpflichtung der MVG, fand natürlich auch positive Worte zur Geschäftsentwicklung und ließ schließlich die niederösterreichischen
Trafikanten darüber abstimmen, welcher Aspekt der Monopolverwaltung den größten Verbesserungsbedarf aufweist: Einfühlungsvermögen, wie sich mit großem Abstand herauskristallisierte. Hofer versprach, dieses Ergebnis als Denkanstoß mit nach Hause zu nehmen. Das österreichische Tabakmonopol eigne sich seiner Meinung nach hervorragend als europaweites Vorbild, also sei es wert, mit ganzer Kraft an seiner Erhaltung und Verbesserung zu arbeiten.

Auf dem heißen Stuhl
Nach einem kurzen, aber sehr persönlich gehaltenen Film zu den Sorgen und Ängsten der Trafikanten bat Moderator Lammerhuber (ehemals u. a. Marketingchef des Niederösterreichischen Pressehauses) Sonja Zwazl als ersten Kandidaten auf den „heißen Stuhl“: Die routinierte Branchenvertreterin (Lammerhuber, besorgt: „Sind Sie nervös?“ – Zwazl, knochentrocken: „Nein.“) musste sich zum Thema „Belegerteilungspflicht“ und zum damit zusammenhängenden Vorwurf, die Kammer wirke als verlängerter Arm des Finanzministeriums, äußern. Laut Zwazl haben ihr Team und sie selbst sehr viel erreicht, vor allem auch im direkten Vergleich mit anderen EU-Ländern, in Sachen Belegpflicht herrsche aber momentan „keine Aussicht auf gesunden Menschenverstand“. Im Originalton: „Diese Vorschrift ist an sich sinnlos, aber Vorschrift ist Vorschrift. Da müssen wir durch.“ Ihr Appell an die Trafikantenschar: „Runterschlucken und auf einen Sieg der Vernunft hoffen, auch wenn es nicht danach aussieht. Mehr können wir derzeit nicht tun.“ Der nächste Kandidat, Siegfried Reichel, Leiter Handelsservice PGV, musste den Vorwurf über sich ergehen lassen, Zeitschriften-Retouren und die damit
zusammenhängenden Gutschriften nur allzu oft fehler- bzw. mangelhaft zu behandeln. Laut Reichel werde mit vollem Einsatz an einer Lösung gearbeitet: Es werde laufend Personal geschult, die Fluktuation vermindert, man habe auch im technischen Bereich bereits ein anderes Dienstleistungsunternehmen beauftragt, es sei aber „ein langer, schwieriger Weg und ein sehr komplexes Thema.“ Sein Unternehmen sei auch davon abhängig,
dass Trafikanten ihre Retouren möglichst zeitgerecht bekanntgeben – nur so könne sichergestellt werden, dass möglichst korrekt abgerechnet werde und auch die gelieferten Stückzahlen mit dem tatsächlichen individuellen Bedarf übereinstimmen. Scharfe Worte fand auch Trafikantenvertreter Andreas Schiefer, für den Zeitschriftenbereich verantwortlich: Die allseits beliebten Panini-Pickerl, ein guter Zuverdienst für jeden Trafikanten, würden
an den Trafiken und der vereinbarten Preisbindung vorbei in Supermärkten unter dem Mindestpreis verkauft. Reichel wies darauf hin, dass dieser „Deal hinter unserem Rücken zwischen Lidl und Panini direkt ausgehandelt“ worden sei – er versprach aber, in Hinkunft verstärkt zu versuchen, solche Vereinbarungen möglichst zu verhindern. Einen Beitrag zum Dauerthema Nachbesetzungen der Trafiken lieferte auch die Befragung von Ernst Koreska, dem stellvertretenden Geschäftsführer der MVG. Er wies darauf hin, dass ein Hauptaugenmerk der MVG auf einer möglichst hohen Anzahl von Fachgeschäften liege, ansonsten hielt sich der Monopol-Vize in blendender Laune und unangreifbar. Ebenfalls ein Dauerbrenner: die Ausweitung der Lottoannahmestellen. Der Lotterien-Gebietsleiter Ost, Guido Rainalter, gestand im Zuge des Frage-und-Antwort-Spiels ein, aufgrund seiner Position nur einen Teilbereich dieser Materie überblicken zu können und die Gesamtzahlen nicht zu kennen. Er versprach jedoch, in der Zentrale zu verstärktem Dialog aufzurufen. Echte Action schließlich beim letzten „Heißer Stuhl“-Kandidaten: einem Tabakindustrie-Vertreterquartett aus Stefan Pinter (Philip Morris), Ralf-Wolfgang Lothert (JTI), Nikolaus Gutjahr (Imperial Tobacco) und Tino Zanirato (BAT). Hauptthema war natürlich das ewige Tauziehen und die Rochaden der Tabakindustrie um längst fällige Preiserhöhungen. Vor allem zwischen PMI und JTI folgte ein verbaler Schlagabtausch, wer Preise brav erhöht und wer nicht. Konsens herrschte unter den Vertretern selbst darüber, dass der Preiskampf eine zusätzliche Belastung für Industrie wie Handel darstelle. Ebenfalls ein Dauerbrenner der letzten Zeit: Big Packs zu 25 Stück. Diese Packungsgröße habe einerseits einen Vorteil für Trafikanten – bessere Spanne
–, andererseits könne man diese Warengruppe als geradezu kannibalistisch fürs Sortiment einstufen. Ralf Lothert, erklärter Big-Pack-Verbots-Befürworter: „2013 hatten wir 2,5 Prozent Big Packs, im Jänner 2016 näherten wir uns den sieben Prozent. Hätten Sie diese Big Packs als 20er-Packungen verkauft, hätten Sie drei Millionen Spanne mehr in der Kassa, also 1.200 Euro pro Trafikant.“ Ein klassisches Patt. Zum Abschluss gab Bundesgremialobmann
Prirschl noch einen positiven Überblick über bereits Erreichtes, auch im Hinblick auf verzögerte bzw. entschärfte Umsetzungen der neuen TPD2- Richtlinie, und bat schließlich zum ausgezeichneten Buffet und anschließender Tombola. Ausgeklungen wurde bei edler Braunware aus dem Hause Dannemann.

Banner-Registrierkassen