Feuer & Rausch

Tabaktrafik ist nicht gleich Tabaktrafik: Während die Fachgeschäfte in den Städten trotz der bekannten aktuellen Probleme halbwegs gesichert sind, kämpfen am Land viele Trafiken ums Überleben. Warum?

Kein Licht ohne Schatten, kein Nachteil ohne Vorteile: Trafiken am Land haben ihre positiven Seiten, weiß der Obmann der Wohlfahrtseinrichtung der  österreichischen Tabaktrafikanten (WE), Peter Trinkl: „Vielerorts sind sie die letzten echten Nahversorger und beliebte Treffpunkte für die Bevölkerung. Und das schafft eine Kundenbindung, von der Trafiken in den größeren Städten nicht einmal träumen können!“ Mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass diese treuen Kunden niemals in Versuchung kämen, ihre Zigaretten oder die Lottoscheine gleich in einem Aufwaschen mit dem Befüllen ihres Autos im Tankstellenshop zu kaufen. Großer Vorteil der Trafiken in den Städten: Hier kommen üblicherweise viele Menschen durch, die schon auch einmal im Vorbeigehen ins Tabakfachgeschäft „reinfallen“ und das Benötigte rasch mitnehmen. Diese Laufkundschaft fehlt in den Trafiken am Land üblicherweise
fast gänzlich.

Strukturbereinigung als Heilmittel?
Die Folge: Auf dem Land rauft so manche Trafik ums Überleben. Diesem Trend will die Monopolverwaltung (MVG) seit geraumer Zeit durch eine Strukturbereinigung entgegenwirken. Die Reduktion der Trafikstandorte soll den verbleibenden Trafikanten gewisse Mindestumsatzgrößen und somit den sorgenfreien Fortbestand garantieren. Diese Strategie der vormaligen MVG-Geschäftsführerin Tina Reisenbichler wurde von ihrem Nachfolger Hannes Hofer übernommen. Aber nicht alle Betroffenen und Funktionäre sehen das genauso.

„Umstrittene Filiallösungen“
In Kärnten, wo besonders viele Trafiken in entlegenen Tälern um den Fortbestand kämpfen, macht sich der streitbare Landesgremialobmann Harald Pichler
wie gewohnt seine eigenen Gedanken: „Wo eine Trafik unter den gegebenen Bedingungen nicht lebensfähig ist, will die MVG durch umstrittene Filiallösungen in benachbarten Gemeinden und durch dislozierte Zigarettenautomaten punkten. Das allein kann aber keine Lebensfähigkeit in den Tälern begründen, zumal die Filialtrafik eher nicht als Lösung in Betracht kommen wird, und ja auch noch das totale Rauchverbot in der Gastronomie
für Probleme sorgen wird!“ Kärnten habe daher gefordert, eine Ausgleichszahlung für die Differenz zwischen tatsächlichem Umsatz und einer proklamierten Umsatzgröße von 500.000 Euro einzuführen; diese würde die Tabakfachgeschäfte in den Tälern vor dem Aussterben bewahren und eine
flächendeckende Versorgung mit Fachgeschäften garantieren. „Leider findet diese Forderung kein Gehör, es wird nach dem Gießkannenprinzip der bisherige Strukturfonds wahllos und nicht strukturwirksam verplempert, um das Geld unter die Leute zu bringen“, ärgert sich Pichler. Die Argumente seien wohlklingend, nur halt leider nicht punktuell wirksam. Was Pichler zusätzlich wurmt: „Leider ist in der aktuellen Besetzung der Wiener Raum das Barometer, was verträglich ist und was nicht. Die Talschaften der Länder sind da viel zu weit entfernt, und die Bereitschaft, Probleme auch jenseits der Ortstafel von Wien zu erkennen, ist sehr gering!“ Dass es Trafikanten in den Tälern und mancherorts auch in Stadtzentren so schlecht gehe, liege an Einkaufszentren auf der grünen Wiese, an Ortsumfahrungen und Großmärkten in den Talschlüssen: Dieser unselige Mix führe zur Verödung der Täler und sei Hauptursache für die Abwanderung. Die Konjunkturschwäche verstärke dieses Phänomen, sei aber nicht dessen Ursache, ist Pichler überzeugt.

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