Feuer & Rausch

Die ersten Zigarettenpackungen mit den vorgeschriebenen Schockbildern dank der neuen Tabakproduktrichtlinie sind in den Regalen. Sehen will sie niemand – aber wie soll das funktionieren?

Mit dem Inkrafttreten der neuen Tabakproduktrichtlinie der EU (TPD 2) sind sie bald in allen Regalen – und seit Längerem in aller Munde:  Zigarettenverpackungen dürfen seit dem Stichtag 20. Mai 2016 nur noch mit Schockbildern und Warnhinweisen auf Vorderund Rückseite produziert werden. Vorher hergestellte Ware darf noch ein Jahr lang ausgeliefert und verkauft werden. Um sich und ihren Kunden den Anblick von geschwärzten Raucherlungen, verfaulenden Zähnen oder ähnlichen Unappetitlichkeiten zu ersparen, hat wohl auch so mancher Trafi kant sein Lager vor Inkrafttreten der Neuregelung etwas besser gefüllt als gewohnt. Trotzdem: Langsam drängen sie nach, die Zigarettenschachteln mit den Schockfotos. Erste Reaktionen sind noch verhalten, schließlich haben sich Trafi kanten und ihre Kunden seit Längerem auf diese Bilder vorbereiten können. In einem sind sich jedoch alle Beteiligten einig: Wirklich sehen will solche Dinge niemand – aber wie soll das angesichts der neuen Vorschriften überhaupt funktionieren?

Einrichtungslösungen im Angebot
Die beiden Marktführer auf dem Sektor der Trafi keinrichtungen, Pirker und Trup Design, haben bereits im Gespräch mit Filterlos zu erkennen gegeben, für jede Trafik eine passende Einrichtungslösung zu fi nden, damit diese Schockbilder nichtins Blickfeld der Kunden und Trafi kanten geraten. Seien es Regalanordnungen oder Beleuchtungslösungen – man stehe für sämtliche individuellen Wünsche der Trafi kanten in Österreich „Gewehr bei Fuß“.
Haken an der Sache für so manchen Inhaber eines Tabakfachgeschäfts: Die unsichere Ertragslage angesichts der Preisschlachten seitens der Industrie
mit häufi gen Preissenkungen und damit verbundenen Einnahmerückgängen aus den Handelsspannen lassen manchen betroffenen Geschäftsmann zweimal
zum Rechenstift greifen, bevor er sich zu Inves titionen in diese Richtung entschließt. Also sind Lösungen gefragt, die die inkriminierten Bilder aus dem Blickfeld verbannen, ohne dafür tief in den  Säckel greifen zu müssen.

In Regale legen statt stellen
Heidemarie Skrdla, Trafi kantin in Schwechat und Funktionärin in der Wohlfahrtseinrichtung der österreichischen Tabaktrafi kanten (WE), hat da eine „hausgemachte“ Idee: „Vorab muss man sagen, dass noch kaum Zigarettenverpackungen mit den grauslichen Bildern im Umlauf sind. Wir werden weitersehen, was passiert, wenn sich das ändert. Aber für mich selbst weiß ich eines mit Sicherheit: Ich werde die Packerln mit den Schockfotos nicht wie bisher mit der sichtbaren Vorderseite ins Regal stellen, sondern so legen, dass man nur die bilderlose schmale Seite sieht!“ Zu dieser Lösung geäußerte Bedenken, dass das möglicherweise nicht im Einklang mit den Intentionen der Tabakproduktrichtlinie stehe, wischt Skrdla vom Tisch: „Ich hoffe doch, dass es mir überlassen bleibt, wie ich eine gesetzeskonforme Ware meinen Kunden anbiete!“

Groteske und Klage um Schockbild
Unterdessen ist es rund um die Horrorfotos auf den Zigarettenschachteln zu einem ebenso grotesken wie makabren Rechtsstreit gekommen. Eine Witwe
aus Niederösterreich will auf einem der als Abschreckung gedachten Bilder ihren im Vorjahr verstorbenen Ehemann erkannt haben. Daher hat sie gegen die
Europäische Union Anzeige erstattet. Sie klagt auf Unterlassung, weil sie laut übereinstimmenden Zeitungsberichten davon ausgeht, dass die Abbildung
ihres todkranken Mannes illegal in die EU-Antiraucher-Kampagne gerutscht sei. Die EU-Kommission bestreitet das allerdings: Das Bild zeige einen Schauspieler. Dem widersprechen jedoch rund 130 Bekannte der Witwe, die per Unterschrift auf mehreren Sammellisten bezeugen, den Ehemann der Frau auf dem Aufdruck erkannt zu haben. Wenn das so stimmt, dann sorgt ein weiteres makabres Detail für Kopfschütteln: Der Niederösterreicher war sein Leben lang Nichtraucher gewesen. Übrigens: Das Wiener AKH, wo der Mann gestorben war, bestritt, dass das Foto von seiner Intensivstation stammt.

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