Feuer & Rausch

Wie ist die Stimmung der burgenländischen Tabaktrafikanten? Was erwarten sie von ihrer Standesvertretung, wie sieht sich die Branche selber? Eine Vielfalt an Themen kam am burgenländischen Fachgruppentag zur Sprache.

Es war eine der bestbesuchten Veranstaltungen für Trafikanten: Der Fachgruppentag Burgenland ging am Sonntag, dem 18. September in den Räumlichkeiten der WKO Eisenstadt über die Bühne. Auf einer „kleinen Fachmesse“ im Foyer wurde Aktuelles und Neues präsentiert.

Neuheiten und Weihnachtssortiment
Christian Mertl, GF M Tabak, kündigte für nächstes Jahr an, mit der Einführung einer neuen Zigarettenmarke und auch Feinschnitt sein Sortiment zu komplettieren. Nur so viel: Es wird ein Qualitätsprodukt im höherpreisigen Segment sein. Weihnachtsware wurde unter anderem auch beim Stand der Wohlfahrtseinrichtung (WE) präsentiert.

Smokeshirt und Stylebox
Bei KP Plattner fielen die hübschen Hüllen für Zigarettenpackungen auf: „Smokeshirt“ aus textilem Material und die „Stylebox“ für Slim-Zigaretten. Das
Zusatzgeschäft mit diesen Hüllen gewinnt für die Trafikanten immer mehr an Bedeutung, was auch im Laufe der Tagung immer wieder betont wurde.

Das Motto: Trafik 2.0
Unter der bewährten Moderation von Ulrike Camara-Ehn wurde in allen Beiträgen das Motto des Tages herausgearbeitet: Blick in die Zukunft, Handel im
Wandel, Chancen durch die Digitalisierung – eben: Trafik 2.0. Nach der Begrüßung durch Obmann Hannes Dragschitz betonte WKO-Vizepräsident
Paul Kraill im ersten Referat die Rolle der Trafikanten, die mit ihrem Fachwissen punkten. Kunden holen sich vermehrt Informationen online, was
einerseits ein Nachteil, aber auch eine Chance für die Trafikanten ist. Denn das Fachwissen eines Trafikanten kann durch Infos aus dem Internet nicht ersetzt werden. Andrea Gottweis, WKO-Spartenobfrau Handel Burgenland, verwies in ihrem Beitrag auf die Wichtigkeit der Trafikanten als Nahversorger, aber: offen sein für neue Herausforderungen, positiv in die Zukunft sehen, die Chancen, die der „Handel im Wandel“ bietet, annehmen.

Ideen für die Zukunft der WE
Heidemarie Skrdla, Bundesobfrau der WE, stellte ihren Vorstand (mit hoher Frauenquote) vor und arbeitete ihre Ziele und Ideen für die Zukunft der WE
heraus: das Bild der WE, das ihrer Meinung nach etwas verrutscht ist, wieder zurechtrücken, indem noch mehr auf die Trafikanten zugegangen wird, und
die Frage „Wozu brauchen wir die WE?“ mit offenem Ohr für alle Trafikanten beantworten. „Was ist für euch wichtig?“, fragt sie und betont, dass das Burgenland anders ist als Wien. Sie wirbt um Unterstützung, Mitarbeit und neue Mitglieder, denn – man glaubt es kaum – es gibt in Österreich immer noch Trafikanten, die die WE nicht kennen …

Zufrieden in die Zukunft
Nach den Ehrungen für 25- und 30-jährige Trafikantenjubiläen erläuterte Hannes Dragschitz den neuen Grundumlagenbeschluss. Für MVG-Geschäftsführer Hannes Hofer war es wichtig, herauszufinden, wie die burgenländischen Trafikanten denken und wie sie die MVG sehen.
Dazu konnten die Anwesenden mit einem elektronischen Voting-System Fragen beantworten:
• Wie wichtig ist die MVG? Für 90 Prozent wichtig bis sehr wichtig.
• Zufriedenheit mit der MVG? 84 Prozent waren zufrieden bis sehr zufrieden.
• Wie kann sich die MVG verbessern? Dazu wünschten sich 25 Prozent mehr Einfühlungsvermögen, 13 Prozent Reaktion auf Feedback, aber: 43 Prozent
drückten auf „Nicht ändern“.
• Würden Sie einem jungen Menschen raten, Trafikant zu werden? Da war die Tendenz eher negativ, nur acht Prozent voteten mit „ja“.
Im Allgemeinen liegt das Stimmungsbarometer für Hannes Hofer, der inzwischen sechs Bundesländer besucht und erhoben hat, unter den Trafikanten im
Mittelfeld. Die Branche bewegt sich zwischen den zwei Polen Gesundheitspolitik und Rauch-Kultur, wobei der Jugendschutz als Stärke des Vertriebskanals
sichtbarer gemacht und gesteigert werden sollte. Das österreichische Monopol soll gestärkt werden und „als Modell für Europa“ gelten. Weitere wichtige Punkte sind für Hofer die Interessentensuche, Vergabe und Betreuung von Trafiken, Wahrnehmung der MVG als Partner, der die Sorgen seiner Mitglieder ernst nimmt, Marktanalysen und ein neues Mindesthandelsspannenmodell.

Podiumsdiskussion mit Marianne Mendt
An der Podiumsdiskussion nahmen Ralf-Wolfgang Lothert, JTI Austria, Livia Kolmitz, Pressesprecherin Imperial Tobacco, Tino Zanirato, BAT, Bundesgremialobmann Josef Prirschl sowie Marianne Mendt und Hannes Dragschitz teil. Es ging um die Auswirkungen der TPD 2, Schockbilder, Australien …
Für Dragschitz sind die grenznahen Geschäfte durch den „Ameiseneinkauf“, weniger durch Schmuggel, belastet. Livia Kolmitz sieht in den Schockbildern eine Chance, den Charakter des Fachgeschäfts zu stärken. Und Marianne Mendt spricht aus, was sich wohl viele denken: Die Schockbilder sind pietätlos, würdelos, schrecken die Verbraucher aber nicht ab, was sich durch Studien, z. B. in Australien, belegen lässt (tosender Applaus im vollen Saal).
Tino Zanirato sieht „Produkte kommen und gehen“ und ruft die Trafikanten auf, nicht schwarz in die Zukunft zu sehen. Lothert erkennt trotz Auswirkungen
der TPD 2 den Markt als relativ stabil. Das „Groteske an der Sache“ sei, dass die Ziele der Branche trotz großem finanziellem Aufwand nicht erreicht
worden seien. Auch für Prirschl haben die Schockbilder keine Änderung des Konsumverhaltens gebracht, jedoch ein Zusatzgeschäft durch die schon erwähnten Hüllen. Und zum Verschwinden der Inhaltsstoff-Angaben: „Überall wird Konsumenteninfo gefordert, hier schafft man sie ab!“ Positiv sieht er: „Die TPD 2 stärkt das Monopol.“ Zum Thema Preise und Handelsspannen betont Lothert, die Preisgestaltung sollte den einzelnen Unternehmen selbst überlassen sein. Er sieht eine Marktverträglichkeit von 20 Cent pro Jahr, wobei auf das Umland geschaut werden muss. Zanirato nennt Zahlen zur Tabaksteuer und würde gerne reformieren zugunsten eine Senkung des Steueranteils. Prirschl fordert eine Erhöhung der Handelsspanne und hat dazu ein Konzept in drei Schritten. Zum Thema Schmuggel und Rückverfolgbarkeit erklärt Lothert, dass die WHO und auch der Großhandel ein eigenes System
haben und eine zusätzliche Rückverfolgung mehr Bürokratie und Kosten verursachen würde. Marianne Mendt, die selbst Wirtin war, sieht in den Auflagen für die Gastronomie eine Bestrafung. Und da Menschen nicht gezwungen werden, in das eine oder andere Lokal zu gehen, „warum nicht da Raucher- und dort Nichtraucherlokal?“ Dragschitz zur strukturellen Entwicklung: „Wir haben eine stabile Struktur geschafft, eine Stärkung auf Jahrzehnte
ist gelungen.“ Und: „Wir haben uns schon so oft neu definieren müssen, die große Chance für die Zukunft liegt in der Digitalisierung und Zusatzprodukten.“
In die nähere und fernere Zukunft sieht auch Prirschl: Weihnachtszeit ist Spendenzeit – zum sozialen Engagement der Trafiken passt FEURO bestens. Es wird eine Rot-Kreuz-Lotterie mit Spannen für die Trafikanten geben. Zur Verknüpfung Trafik/digitale Welt: „Seht es positiv, nehmt es an!“, lautet sein Aufruf, nicht stehen zu bleiben.

Swingender Abschluss
Nach Schlussworten von Hannes Dragschitz dann die Überraschung und der Höhepunkt des Tages: Marianne Mendt gab mit ihrer Band „einiges von ihrem
Besten“, was sie mit den Worten einleitete: „Wenn’s net swingt, dann is’s nix, das gilt auch für Trafikanten!“



Banner-Registrierkassen